Die Proteste der Klimaschutzbewegung Extinction Rebellion (XR) gehen überall auf der Welt weiter. In Berlin haben Hunderte Aktivistinnen und Aktivisten die Marschallbrücke im Regierungsviertel besetzt. Diese ist eine wichtige Verbindung vor allem für Menschen, die im Regierungsviertel rund um Bundestag und Kanzleramt arbeiten. Am Mittag hielten sich nach Angaben der Bewegung dort tausend Demonstrierende auf.

Extinction Rebellion - Umweltschützende protestieren vor dem Kanzleramt Extinction Rebellion blockiert weiterhin für mehr Klimaschutz Straßen und Brücken in Berlin. Das Klimapaket der Bundesregierung kritisieren sie als Klimahäppchen. © Foto: Paul Zinken

Eine größere Gruppe Aktivistinnen und Aktivisten hat auch die Mühlendammbrücke in der Nähe des Roten Rathauses gesperrt, teilte die Polizei auf Twitter mit. Es komme dadurch zu weiteren Einschränkungen des Verkehrs in Berlin-Mitte. Seit dem Mittag versuchen die Einsatzkräfte, diese Brücke wieder zu räumen. Jedoch würden sich viele Protestierende den Aufforderungen widersetzen und die Straße nicht freimachen. Die Behörde kündigte daher auf Twitter an, dass sie Personen im Zweifel auch wegtragen werden. Bislang galt die Devise: Vorgehen nach Augenmaß und Kompromisse aushandeln. 

Die Polizei hatte am Vormittag auch mit der Räumung der Siegessäule begonnen. Sie wird seit Montag von den Klimaschützerinnen und Klimaschützern besetzt gehalten, ebenso wie der umliegende Kreisverkehr Großer Stern. Zwischenzeitlich hatte die Polizei am Dienstag Teile der Straße für den Verkehr wieder freigeben.

Eine Kundgebung sollte direkt vor dem Bundeskanzleramt stattfinden, wo das Kabinett das Klimapaket gebilligt hat. Doch das gestattete die Polizei nicht. Wie die Einsatzkräfte auf Twitter mitteilten, wurde die Versammlung nun wenige Meter weiter vor dem Reichstagsgebäude auf den Platz der Republik verlegt.

Die Aktion im Regierungsviertel, die um 3 Uhr in der Nacht begann, war vorher nicht angekündigt gewesen. Die Polizei bat darum, keine weiteren sperrigen Gegenstände auf die Brücke mitzunehmen. Einige Demonstranten und Demonstrantinnen hätten "eine Art Floß" mit zu der Kundgebung gebracht, sagte eine Sprecherin der Polizei. Einsatzkräfte kontrollieren Fußgängerinnen und Fußgänger, die den Bereich derzeit passieren können. Für den Verkehr ist die Gegend seit dem frühen Morgen gesperrt. Ein Problem dabei ist aber: Die Marschallbrücke muss für Rettungsfahrzeuge der nahe gelegenen Charité befahrbar sein, ebenso für Menschen, welche die Notaufnahme der Charité aufsuchen müssen. Dem wollen die Klimaschützerinnen und Klimaschützer anscheinend nachkommen, wofür sich die Polizei bei den Demonstrierenden auf Twitter bedankte.

Die Anhänger der Klimaschutzbewegung wollen sich außerdem auf dem Kurfürstendamm im Westen der Hauptstadt versammeln, zudem soll auch der Potsdamer Platz wieder besetzt werden.

Extinction Rebellion - Polizei räumt Blockade am Potsdamer Platz in Berlin Am Morgen hat die Polizei blockierte Verkehrsknotenpunkte in Berlin weitgehend freigemacht. Hunderte hatten seit Montagmorgen für mehr Klimaschutz Straßen blockiert. © Foto: Paul Zinken/dpa

Aktionen noch für weitere zwei Wochen geplant

Seit Montag finden in vielen Metropolen überall auf der Welt Protestaktionen statt. In Berlin wurde zwei Tage lang der Große Stern, die Siegessäule sowie der Potsdamer Platz besetzt. An beiden Orten haben jeweils mehr als 1.000 Menschen für Klimaschutz demonstriert. Bei einer Kundgebung am Montag sprach auch die als Seenotretterin bekannt gewordene Kapitänin Carola Rackete, die sich mittlerweile für die Klimaschutzbewegung engagiert. Für Mittwoch werden laut Tagesspiegel rund 3.000 Aktivistinnen und Aktivisten in der Hauptstadt erwartet.

Demonstrationen gab es auch in Großbritannien, in den Niederlanden, in Spanien, in Australien und in Neuseeland. In Großbritannien sollen rund 30.000 Menschen an den Aktionen beteiligt gewesen sein. Allein in London wurden am Montag fast 500 Menschen vorübergehend festgenommen. Für die kommenden beiden Wochen sollen noch Veranstaltungen, Blockaden und Proteste in gut 60 Städten überall auf der Welt geplant sein.

Ziel der Bewegung, die aus Großbritannien stammt, ist es, mit zivilem Ungehorsam Druck auf die Regierungen auszuüben. Meist wird gefordert, dass der Klimanotstand ausgerufen wird. Daneben haben die Mitstreiterinnen und Mitstreiter eine Reihe anderer Forderungen, die mal mehr, mal weniger klar geäußert werden. Gefordert werden etwa Bürgerversammlungen, die mehr Demokratie herstellen sollen, und eine größere Beteiligung der Bevölkerung bei der Festlegung von Klimaschutzzielen. Dies soll nicht den Regierungen allein überlassen werden.