Francisco Franco - Früherer spanischer Diktator umgebettet Francisco Franco wurde exhumiert und auf einen staatlichen Friedhof umgebettet. Noch heute wird Spanien von der 40 Jahre langen Herrschaft des Diktators gespalten. © Foto: Juan Carlos Hidalgo/Pool via Reuters

In Madrid hat die Exhumierung des spanischen Diktators Francisco Franco begonnen. Dabei sollen dessen sterbliche Überreste umgebettet werden – von seinem monumentalen Mausoleum im Valle de los Caídos, dem sogenannten Tal der Gefallenen, in ein privates Grab auf einen staatlichen Friedhof im Norden der spanischen Hauptstadt.

Wer war Franco?
Der spätere Machthaber begann seine Karriere beim Militär, wo er als Legionär diverse Aufstände im damaligen spanischen Herrschaftsbereich bekämpfte, 1926 erst zum General und 1935 schließlich zum Generalstabschef des Heeres ernannt wurde. Ein Jahr später dann führte er einen Putsch gegen die demokratische Regierung an. Mit Unterstützung des faschistischen Königreiches Italien und des nationalsozialistischen Deutschen Reichs stürzten konservativ-monarchistisch-faschistische Militärs die Führung in Madrid und verursachten so einen dreijährigen Bürgerkrieg.

Für den General und Katholiken Franco war dieser Krieg ein Kreuzzug gegen Anarchisten, Linke und säkulare Tendenzen in der Gesellschaft. Für das Land bedeutete seine autoritäre Herrschaft nicht nur viel menschliches Leid, sondern auch die zunehmende politische, wirtschaftliche und kulturelle Isolation – praktisch fast 40 Jahre lang. Franco herrschte bis 1975 über Spanien, erst drei Jahre nach dessen Tod kehrte das Land zur Demokratie zurück.

Warum werden die Überreste erst jetzt umgebettet?
In Spanien wurde immer wieder über die Exhumierung von Francos Gebeinen diskutiert. Dessen Anhänger sowie die rechtskonservativen Parteien und einige Katholiken sahen darin vor allem ein Aufreißen alter Wunden. Dann jedoch erließ die Regierung in Madrid Änderungen an einem Gesetz aus dem Jahr 2007, das den geschätzt 100.000 Opfern des Bürgerkriegs und der Franco-Ära eine Entschädigung bieten soll. Durch die Änderungen wurde dann verboten, dass Francos Überreste an einem öffentlichen Platz bestattet sind, der ihn als politische Figur hervorhebt.

Entscheiden musste darüber schlussendlich das oberste Gericht. Francos Angehörige waren monatelang dagegen vorgegangen. Im September urteilten die Richterinnen und Richter dann jedoch gegen sie und die Exhumierung wurde erlaubt.  

Wie läuft die Umbettung ab?
Die Regierung hat die Umbettung als privat deklariert. Es wird also weder militärische Ehren geben, noch wird der Sarg mit einer spanischen Flagge bedeckt sein. Die Kosten für die Umbettung sollen rund 63.000 Euro betragen.

Die Zeremonie begann um 10.30 Uhr im Valle de los Caídos, in einer riesigen Basilika, die von Zwangsarbeitern noch zu Lebzeiten des Generals in den Fels getrieben wurde. Dann wurden die sterblichen Überreste aus dem bislang von einer tonnenschweren Steinplatte bedeckten Grab gehoben. 22 Familienmitglieder Francos nahmen daran teil – neben Justizministerin Dolores Delgado und weiteren Regierungsvertretern. Im Anschluss trugen Angehörige den Sarg dann aus dem Mausoleum.

Spätestens wenn der Sarg mit den sterblichen Überresten das Mausoleum verlässt, wird auch die Öffentlichkeit an dem Spektakel teilhaben können. Auf einem Platz, wo auch TV-Kameras aufgebaut sind, wartet ein Bestattungswagen und bringt den Sarg zu einem von zwei wartenden Hubschraubern. Dieser fliegt ihn zum Friedhof El Pardo-Mingorrubio am Nordrand der Stadt, wo eine Andacht in der Familiengruft stattfinden soll.

Neben wem wird Franco beigesetzt?
Die neue Ruhestätte des Diktators liegt in der Gruft neben dem Grab seiner Frau Carmen Polo – ein Ort, den Francos Familie nicht als würdig genug für ihn erachtet hatte. Sie wollte ihn eigentlich in der Almudena-Kathedrale in Madrid beisetzen. Die spanische Regierung jedoch befürchtete, dass so eine neue Pilgerstätte für Faschisten entstehen könnte.

Wie umstritten ist die Umbettung?
Die Exhumierung polarisierte in Spanien enorm. Francos Popularität ist zwar in den vergangenen Jahren gesunken. Allerdings hat er noch viele Anhängerinnen und Anhänger, die sich gegen die Entweihung seiner sterblichen Überreste gewehrt hatten.

Im Juni 2018 hatte der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez sich jedoch darüber hinweggesetzt und damit die Hoffnungen der Gegenseite erfüllt. Für sie ist das riesige Mausoleum, in dem Franco bisher lag, ein Affront gegen die Opfer des spanischen Bürgerkriegs.