In Paris haben Tausende Menschen gegen ein neues Gesetz protestiert, das künftig auch Lesben und alleinstehenden Frauen eine künstliche Befruchtung ermöglichen soll. Mit Fahnen und Schildern mit Aufschriften wie "Freiheit, Gleichheit, Vaterschaft" oder "Wo ist mein Vater?" marschierten die Demonstrierenden durch Paris. Unter ihnen Katholiken und rechte Aktivisten. Die Polizei bewachte mehrere Straßen, um Spannungen mit Schwulen-, Lesben-, Bisexuellen- und Transsexuellenaktivisten zu vermeiden. Diese hielten eine Gegendemonstration ab. Beide Demonstrationen waren friedlich. Laut Behörden sollen an der Demonstration etwa 10.000 bis 20.000 Menschen teilgenommen haben – deutlich weniger als bei den Protesten gegen die Einführung der Homo-Ehe. Damals gingen Hunderttausende auf die Straße.

Zu der Demonstration hatte ein Bündnis aus rund 20 Verbänden aufgerufen, die eigens zwei TGV-Züge und mehr als hundert Busse gechartert hatten, um Teilnehmende aus der Provinz in die Hauptstadt zu bringen. In der Demonstrationsmenge waren Eltern mit Kindern und ältere Menschen.     

Die Nationalversammlung hatte das Gesetz zur künstlichen Befruchtung für alle Ende September in erster Lesung mit großer Mehrheit verabschiedet. Nun muss noch der Senat zustimmen. Bisher ist die künstliche Befruchtung nur heterosexuellen Paaren erlaubt. Die Neuregelung ist Kernbestandteil eines Bioethik-Gesetzes und gehörte zu den Wahlkampfversprechen von Präsident Emmanuel Macron. Das französische Gesundheitssystem würde gemäß dem Gesetzentwurf die Kosten für die Prozedere für alle Frauen unter 43 Jahren übernehmen. Kinder, die mit Spermaspende gezeugt wurden, dürften mit 18 Jahren erfahren, wer der Spender ist. Bislang ist die Anonymität von Spendern streng geschützt. Leihmutterschaften sind in Frankreich verboten.

Großteil befürwortet künstliche Befruchtung für alle

Jüngsten Umfragen zufolge befürworten 68 Prozent der Franzosen die Zulassung von künstlicher Befruchtung für Alleinstehende, 65 Prozent wollen lesbischen Frauen eine künstliche Befruchtung ermöglichen. Befürworter des Gesetzentwurfs argumentieren, Frauen sollten das Recht bekommen, Kinder zu bekommen, unabhängig von ihrem Beziehungsstatus oder ihrer sexuellen Orientierung. Die Gegner des Entwurfs hielten demnach an einem überholten patriarchalischen System fest. Gegner des Gesetzes argumentieren, der Entwurf nehme Kindern ihr Recht auf einen Vater.

Mehrere andere Länder bieten bereits Unterstützung beim Kinderkriegen für Lesben und alleinstehende Frauen an. Französinnen reisen manchmal ins Ausland, um Hilfe beim Schwangerwerden zu bekommen.