• Bei Schüssen in Halle in Sachsen-Anhalt sind nach ersten Erkenntnissen zwei Menschen getötet worden. Eine Frau starb an einer Straße unweit des jüdischen Friedhofs, ein Mann in einem Dönerimbiss. Zu den Tatorten zählt zudem die Synagoge auf dem Friedhofsgelände.
  • Die Polizei fahndete vorübergehend nach mehreren mutmaßlichen Tätern. Verkehrswege waren vorübergehend gesperrt. Die akute Gefährdungslage wurde am Nachmittag wieder aufgehoben.
  • Ein 27-jähriger Mann wurde als Tatverdächtiger festgenommen.
  • Die Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe hat die Ermittlungen übernommen. Die Behörde sieht Anhaltspunkte für einen rechtsextremistischen Hintergrund.
  • Was wir bisher wissen und was nicht, können Sie in diesem Überblick lesen 
  • Was die Videos zeigen, die der Täter mit einer Helmkamera filmte, lesen Sie in diesem Artikel.
  • Wie unsere Reporter den Tag in Halle erlebten, ist in dieser Reportage beschrieben.
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Tilman Steffen
Am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur wurden in der Nähe einer Synagoge zwei Menschen ermordet. Ein Tatverdächtiger ist festgenommen. Die jüdische Gemeinschaft ist verunsichert, deutschlandweit wird getrauert – das ist die Bilanz des Anschlags von Halle an der Saale. Der offenkundig rechtsextremistische Täter handelte allein und aus Hass gegen Juden. Er feuerte mit selbstgebauten Schusswaffen auf Wehrlose, nachdem er nicht in die Synagoge hineinkam.

Bei seiner Festnahme war der mutmaßliche Täter verletzt – Er soll nicht von der Polizei angeschossen worden sein, von daher könne nicht ausgeschlossen werden, dass er versucht hat, sich selbst zu töten. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht.  

Der Tag von Halle wird die Diskussion über den Schutz jüdischer Einrichtungen verstärken. Und er hat die Frage aufgeworfen, wie solche Taten zu verhindern sind, bei denen zuvor unauffällige Einzeltäter mit selbst gebauten Waffen Angst und Schrecken verbreiten. Am Ende des Tages bleiben die Bilder der Mahnwachen als Zeichen der Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft. 

Damit schließen wir dieses Blog.
Tilman Steffen
Aus der jüdischen Gemeinschaft wird Kritik laut: Der Zentralrat der Juden in Deutschland wirft der Polizei vor, jüdische Einrichtungen nicht ausreichend zu schützen. "Dass die Synagoge in Halle an einem Feiertag wie Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, ist skandalös", sagt dessen Präsident Josef Schuster. "Diese Fahrlässigkeit hat sich jetzt bitter gerächt." Wie durch ein Wunder sei "nicht noch mehr Unheil geschehen“.

Die Polizei verstärkte im Verlauf des Tages an vielen Orten den Schutz jüdischer Einrichtungen. In Mecklenburg-Vorpommern etwa wurde der Schutz heute wieder neu eingerichtet.

Für den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu ist "der Terroranschlag" auf die Gemeinde in Halle am Feiertag Jom Kippur "ein neuer Ausdruck des wachsenden Antisemitismus in Europa", wie er twitterte. Er fordere die deutschen Behörden auf, "weiterhin entschlossen" dagegen vorzugehen.
Tilman Steffen
Hier die Lage in Halle im Überblick in einem Video:
Alexandra Endres
Vor der Neuen Synagoge in Berlin haben sich Menschen zu einer Mahnwache versammelt, unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD). Regierungsprecher Steffen Seibert twitterte: "Wir müssen uns geschlossen jeder Form von Antisemitismus entgegenstellen." Die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) hatte nach den Schüssen in Halle unter dem Motto #WirStehenZusammen dazu aufgerufen, sich vor dem Gotteshaus zu versammeln.
Bild: Henrik Merker
Auf dem Marktplatz Halle sind ebenfalls einige hundert Menschen zu einer spontanen Mahnwache zusammen gekommen. Die Teilnehmenden wissen nicht genau, was sie sagen oder tun sollen, wie unser Reporter Mohamed Amjahid berichtet. Alle Anwesenden hätten aber das Bedürfnis, an diesem Tag ein Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus zu setzen. Stetig kommen mehr Menschen; mittlerweile ist die Zahl der Anwesenden auf 400 angestiegen. Wie unser Reporter Henrik Merker schreibt, ist auch der sachsen-anhalter Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby (SPD) auf dem Weg zu der Kundgebung. Sie findet in Stille statt. Blumen und Kerzen werden niedergelegt. In der Marktkirche beten Menschen.
Auch an weiteren Orten versammeln sich Menschen zu Mahnwachen, darunter am Brandenburger Tor in Berlin, in Wuppertal, Würzburg, Dresden, Leipzig, Rostock und in vielen anderen Städten wurde dazu aufgerufen. Auch während des Länderspiels Argentinien gegen Deutschland in Dortmund hielten Fans für eine Gedenkminute inne. 
Alexandra Endres
Die beiden Verletzten, die nach den Schüssen in Halle im Universitätsklinikum operiert wurden, sind außer Lebensgefahr. Nach Angaben eines Sprechers hatten die Frau und der Mann schwerste Schussverletzungen. Die Operationen seien erfolgreich verlaufen.
Tilman Steffen
Bild: Henrik Merker
In Gebäuden um den Dönerimbiss herum, in dem ein Mann getötet wurde, sind Splitter eingeschlagen – im Bild ein zehn bis zwölf Meter entfernter Hauseingang. Das Bild unseres Reporters Henrik Merker zeigt, wie die Ermittler die Einschlagstellen farbig markiert haben.
Tilman Steffen
Jetzt bestätigt der Bundesinnenminister offiziell: Die Taten haben „sehr wahrscheinlich“ ein rechtsextremistisches Motiv, zumindest einen antisemitischen Hintergrund. Nach Einschätzung des Generalbundesanwalts gebe es „ausreichend Anhaltspunkte für einen möglichen rechtsextremistischen Hintergrund», sagte Horst Seehofer. Der CSU-Politiker äußerte sich betroffen: "Der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur ist heute ein schwarzer Tag."

Die oberste Anklagebehörde der Bundesrepublik übernimmt die Ermittlungen von den Landesbehörden, wenn durch Ereignisse die Belange der inneren Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland betroffen sind. Das trifft regelmäßig auch bei Vorfällen zu, die als Terrorismus eingestuft werden.

Die Stadt Halle hatte hinsichtlich des Vorfalls von "einer Amoklage" gesprochen. Von Terror war bisher nicht die Rede.
Tilman Steffen
Der Täter hat sein Vorgehen mittels einer Helmkamera aufgezeichnet und die Videos online verbreitet. In insgesamt drei Videos zeigt er, wie er in dem Dönerimbiss einen Mann erschießt und nahe der Synagoge eine Frau. Zu hören ist, wie er über Juden schimpft und wie er droht, sie zu erschießen. ZEIT ONLINE wertet die Videos derzeit im Detail aus, ein Bericht folgt in Kürze.
Tilman Steffen
Die Gewalttaten in Halle hat laut inoffiziellen Informationen aus Sicherheitsbehörden ein Einzeltäter verübt. Das berichten übereinstimmend die dpa und Bild. Laut Spiegel ist der mutmaßliche Täter 27 Jahre alt.

Die Polizei hatte einen Verdächtigen festgenommen. Zugleich hatte es aber geheißen, dass noch mehrere Verdächtige auf der Flucht seien. Dass die Polizei die akute Gefährdungslage aufhob, ist ein Anzeichen dafür, dass sie die Lage unter Kontrolle hat.
Ferdinand Otto
Die Polizei hat ihre Warnung vor einer akuten Gefährdungslage für die Bevölkerung aufgehoben. "Sie können wieder auf die Straße, die Warnungen sind aufgehoben", twitterte die Polizei. Die Gefährdungslage werde nicht mehr als akut eingestuft.