Ab dem Wochenende gilt ein Kletterverbot für den Uluru. Hunderte Kletterer nutzen nun ihre letzte Chance, den weltberühmten Felsen in der australischen Wüste zu erklimmen. Nachdem der Zugang zu dem rot schimmernden Monolithen wegen starker Winde zunächst versperrt blieb, ließen Parkranger die Besucherinnen und Besucher schließlich am Freitagvormittag ein letztes Mal auf den 348 Meter hohen Berg klettern.

Um 16 Uhr Ortszeit wurde der Aufstieg dann endgültig gesperrt. Die Ranger des Nationalparks rechneten damit, dass erst am Abend die letzten Touristinnen und Touristen wieder unten sein würden. Am Wochenende soll es zusammen mit Aborigines eine Feierstunde zur Schließung geben. Nächste Woche wird dann die Kette abmontiert, an der sich Wanderer nach oben hangeln konnten. Künftig muss, wer gegen das Kletterverbot verstößt, mindestens 630 australische Dollar (knapp 390 Euro) zahlen.

Mit der Schließung des Ulurus für Touristinnen war die Verwaltung des Nationalparks jahrzehntelangen Bitten der australischen Ureinwohner nachgekommen. Der früher Ayers Rock genannte Uluru befindet sich auf Land, das dem Aborigine-Stamm der Anangu gehört. Für sie ist der Fels von großer spiritueller und kultureller Bedeutung, der Aufstieg kommt für die Anangu einer "rituellen Verschmutzung" gleich. Der Uluru sei "kein Spielplatz und kein Disneyland", lautet der seit Jahrzehnten vorgetragene Einwand.

Umstrittene Entscheidung

Die Entscheidung, den Aufstieg zu verbieten, hatte auch Unverständnis ausgelöst. Einige Kritiker wiesen den Vorwurf der Entweihung zurück und argumentierten, dass es auch ein religiöser Akt sein könne, einen heiligen Berg zu besteigen. Andere halten die Klettertour für so etwas wie ein Grundrecht für alle Bewohnerinnen und Bewohner Australiens

Auch unter den Aborigines war die Entscheidung teilweise umstritten, jüngere Aborigines zeigten sich zum Teil gleichgültig. Der Künstler Billy Cooley, sagte: "Ich hätte kein Problem damit, wenn der Berg offenbleibt. Die Leute kommen dazu aus aller Welt. Wenn sie heimlich klettern, dann gibt es noch mehr Unfälle." Zudem profitieren die Ureinwohner von dem Andrang der Touristen.

Dieser hatte sich wegen des anstehenden Verbots in den vergangenen Monaten weiter verstärkt. Nach Angaben der Verwaltung der australischen Nationalparks, besuchten in den zwölf Monaten bis Juni 2019 mehr als 395.000 Menschen den Uluru und damit rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr. 13 Prozent der Besucher absolvierten die Klettertour auf den Felsen.

Der Uluru ist trotz seiner geringen Höhe gefährlich, da er steil und extrem glatt ist. Mindestens 37 Menschen kamen im Lauf der vergangenen Jahrzehnte bei dem Aufstieg ums Leben. Zuletzt starb im Juli vergangenen Jahres ein 73 Jahre alter Japaner. Nach historischen Aufzeichnungen wurde der Berg vermutlich erstmals 1873 von einem Weißen bestiegen: von dem englischen Entdecker William Gosse. Er benannte ihn nach Sir Henry Ayers, einem ehemaligen Premierminister von South Australia.

Verbotene Gipfel

Konflikte um Berge, die als heilig angesehen werden, gibt es auch an anderen Orten. Als der heiligste aller heiligen Berge, der dazu noch bisher unbestiegen ist, gilt der Kailash in Tibet. Einen menschlichen Fuß auf die schneebedeckte Pyramide zu setzen, käme für Buddhisten und Hindus einer Gotteslästerung gleich. Sie glauben, dass Shiva auf dem Berg thront, der Zerstörer aller Illusionen. Nicht einmal Bergsteiger Reinhold Messner hat den etwa 6.700 Meter hohen Gipfel bestiegen.

Für den 6.660 Meter hohen Berg Jichu Drake im Himalaya-Königreich Bhutan gilt eine Kletter-Obergrenze von 6.000 Metern. Das Verbot wurde eingeführt, nachdem nach einer Expedition 1983 die Region von heftigem Hagel betroffen war. Die Gläubigen sahen das als Folge des Zorns der Götter über den Aufstieg an.

Es gibt jedoch auch Beispiele der friedlichen Übereinkunft: Am Fuji in Japan koexistieren Pilger und Touristinnen beim Aufstieg nebeneinander. Auf dem Olymp, Sitz der griechischen Götter, wird Heliskiing angeboten. Auch am Sinai, dem heiligen Berg der Juden, Christen und Muslime, gibt es keine Einschränkungen für Besucherinnen und Besucher.