Aufgrund neuer Steuerpläne der Regierung ist es im Libanon zu großen Protesten gekommen. In der Nacht zu Freitag gingen Tausende Menschen in mehreren Städten auf die Straße. Sie demonstrierten gegen die Einführung einer täglichen Gebühr für die Nutzung von Kurznachrichtendiensten wie WhatsApp. In Beirut zogen Hunderte Protestler zum Regierungssitz und zum Parlamentsgebäude. Einige von ihnen warfen Steine, Schuhe und Wasserflaschen auf Sicherheitskräfte.

Auch der Verkehr wurde behindert: Demonstranten blockierten Kreuzungen mit brennenden Reifen und Müllcontainern, es kam zu Staus. Angesichts der Proteste gegen die Regierung blieben am Freitag viele Geschäfte und Schulen geschlossen.

Am Donnerstag hatte Informationsminister Dschamal Dscharra zunächst eine tägliche Gebühr von 0,20 US-Dollar auf die Nutzung von Kommunikationsdiensten wie WhatsApp bekannt gegeben. Zudem wurde beraten, ob die Mehrwertsteuer von elf auf 15 Prozent angehoben werden sollte. Nur Stunden später verkündete zwar Telekommunikationsminister Mohammed Schukair, dass die Änderung nicht in Kraft treten werde. Die Proteste gingen dennoch weiter. Die Polizei setzte in Beirut Tränengas gegen die Demonstranten ein.

Innenministerin Raja al-Hassan wies einen Rücktritt der Regierung zurück. Das Kabinett versuche, die libanesischen Bürger vor dem Kollaps zu bewahren. "Wenn eine andere Regierung gebildet wird, wird sie dieselben Maßnahmen ergreifen", sagte sie.   

Der Libanon mit 6,8 Millionen Einwohnern kämpft mit einer Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Staatsverschuldung liegt bei 86 Milliarden US-Dollar, was einer Quote von etwa 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entspricht. Das Land hat damit eine der höchsten Schuldenquoten weltweit.