Gegen den Mann, der in Limburg mit einem gestohlenen Lastwagen auf acht Autos aufgefahren sein soll, ist Haftbefehl erlassen worden. Die Tatvorwürfe lauten versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. Der 32-Jährige sitzt nun in Untersuchungshaft. Zuvor war er dem Ermittlungsrichter vorgeführt worden. Nach wie vor sei das Motiv des Täters völlig unklar. "Es wird in alle Richtungen ermittelt", sagte ein Sprecher.

Hessens Innenminister Peter Beuth sagte, der Tathergang erinnere zwar an die Anschläge von Nizza und auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin, als Islamisten mit Lastwagen gezielt in Menschenmengen gefahren waren. Doch das könne man derzeit nicht bestätigen. Denn der tatverdächtige Mann habe nach den derzeitigen Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden keine Verbindungen in die gewaltbereite islamistische Szene gehabt.

Die Ermittlungen führen die Staatsanwaltschaft Frankfurt und die Landeskriminalpolizei. Der festgenommene Mann aus dem Landkreis Offenbach hatte den Lastwagen am Montag gegen 17.18 Uhr gekapert und den Fahrer aus der Kabine gezogen. Er sei dann "wenige Meter" gefahren und bei einer Kreuzung ungebremst auf andere Autos aufgefahren. Dadurch seien acht Autos – sieben Pkw sowie ein Kleintransporter – zusammengeschoben worden. Acht Insassen und der Tatverdächtige selbst wurden dabei leicht verletzt. Der Mann konnte noch am Tatort festgenommen werden und sollte am Dienstag noch einem Haftrichter vorgeführt werden.

Ermittler beschlagnahmen Beweismaterial bei Hausdurchsuchungen

Die Festnahme des 32-Jährigen konnte so schnell erfolgen, weil sich gleich mehrere junge Bundespolizisten zufällig in der Nähe des Tatorts aufhielten. Sie hatten sich in ihrer Freizeit dort mit Kollegen getroffen. Bei zwei Hausdurchsuchungen im Landkreis Offenbach und im Landkreis Limburg-Weilburg beschlagnahmten die Ermittlungsbehörden Beweismaterial wie Mobiltelefone oder USB-Sticks.

Unbestätigten Informationen nach war der Mann Ende August im nordrhein-westfälischen Moers bei der Polizei auffällig geworden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hatte er am 31. August auf der Moerser Kirmes eine 16-Jährige belästigt, danach kam es zu einem Gerangel mit der Mutter des Mädchens. Der Mann erhielt deshalb eine Anzeige wegen Körperverletzung.

Der Bürgermeister von Limburg, Marius Hahn, sagte, er hoffe auf eine schnelle und vollständige Aufklärung des Falles.

In Berlin war der Tunesier Anis Amri am 19. Dezember 2016 mit einem gekaperten Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast, zwölf Menschen wurden damals getötet. Im Sommer 2016 starben in Nizza 86 Menschen bei einer Lkw-Attacke auf der Uferpromenade. Keinen Terror-Hintergrund hatte eine Gewalttat in Münster: Dort hatte im April 2018 ein Amokfahrer in der Innenstadt vier Menschen getötet, mehr als 20 teilweise lebensgefährlich verletzt und sich anschließend selbst erschossen. Der Mann galt als psychisch labil.