Um die überfüllten Flüchtlingslager auf den Inseln im Osten der Ägäis zu entlasten, will die griechische Regierung Tausende Migranten auf das Festland verlegen – beginnend mit 700 Flüchtlingen aus dem Lager auf Samos. Sie sollen nach Angaben des Ministeriums für Bürgerschutz am Dienstag mit einer Fähre nach Piräus gebracht werden, gefolgt von Hunderten weiteren von anderen Inseln.

Diese Maßnahme hatte der Minister für Bürgerschutz, Michalis Chrysochoidis, in der vergangenen Woche im Parlament angekündigt. Bis Ende des Jahres sollen demnach mehr als 20.000 Migranten von den Inseln auf das griechische Festland verlegt werden. Die Regierung reagiert damit auch auf die Proteste von Anwohnern der Flüchtlingslager. "Europa hat uns vergessen", riefen etwa Hunderte Menschen bei einer Demonstration an diesem Montag auf Samos.

Dort sowie auf den Inseln Lesbos, Chios, Leros und Kos harren zurzeit knapp 34.000 Migranten aus – die höchste Zahl seit Inkrafttreten des EU-Türkei-Flüchtlingspaktes im März 2016. Allein am Wochenende hatten nach Angaben der Küstenwache 433 Migranten aus der Türkei zu griechischen Inseln übergesetzt. Ein Großteil der Flüchtlinge stammt aus Syrien und Afghanistan.

Wegen der besonderen Belastung seines Landes forderte der neue griechische Ministerpräsident Solidarität der anderen EU-Staaten ein. Es sei "inakzeptabel", dass mehrere Mitgliedsstaaten in der Flüchtlingspolitik den Ansatz verfolgten, "dass es absolut nicht ihr Problem ist", kritisierte Kyriakos Mitsotakis und warnte angesichts der türkischen Offensive in Nordsyrien vor einer erneuten massiven Fluchtbewegung. "Wenn man sich nur die Zahl der Migranten ansieht, die in diesem Sommer im Vergleich zum vergangenen Sommer das Ägäische Meer überquert haben, wird klar, dass wir vor einem akuten Problem stehen."