Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den Angehörigen der in Halle Getöteten ihr "tiefstes Beileid" ausgedrückt. Die Kanzlerin habe sich von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) "über die Lage nach dem Anschlag in Halle informieren lassen", teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit. "Unsere Solidarität gilt allen Jüdinnen und Juden am Feiertag Jom Kippur, unser Dank den Sicherheitskräften, die noch im Einsatz sind", schrieb Seibert weiter.

Am Mittwochmittag hatte ein bewaffneter Attentäter in Halle versucht, eine Synagoge zu stürmen, die wegen des hohen jüdischen Feiertags Jom Kippur voll besetzt war. Er erschoss zwei Menschen, bevor er von der Polizei festgenommen werden konnte. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ging am Abend von einem rechtsextremen Motiv aus. Auch er zeigte sich "zutiefst bestürzt". Es sei ein "abscheulicher Angriff auf unser friedliches Zusammenleben".

Terroranschlag - Bundeskanzlerin nimmt an Mahnwache teil Nach dem Terroranschlag in Halle hat Angela Merkel an der Mahnwache in Berlin teilgenommen. 200 Menschen gedachten der Opfern von Antisemitismus und Rechtsextremismus. © Foto: Christoph Soeder/dpa

Seehofer reist nach Halle

Seehofer wird die Stadt an diesem Donnerstag besuchen. Dort will er auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, und Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) über den aktuellen Ermittlungsstand informieren.

"Dass am Versöhnungsfest Jom Kippur auf eine Synagoge geschossen wird, trifft uns ins Herz", schrieb Bundesaußenminister Heiko Maas auf Twitter. "Wir alle müssen gegen den Antisemitismus in unserem Land vorgehen."

Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Markus Söder äußerte sich bestürzt über die Angriffe: "Das schreckliche Verbrechen in Sachsen-Anhalt macht tief betroffen", sagte Söder am Mittwochabend. "Gerade jetzt gehört unseren jüdischen Mitbürgern unsere besondere Solidarität", sagte er. Zugleich teilte Söder mit, dass die bayerische Polizei die Bewachung jüdischer Einrichtungen und Synagogen im Freistaat verstärkt habe.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu sieht in dem Angriff auf eine Synagoge einen "weiteren Ausdruck für Antisemitismus in Europa". Die Attacke habe am jüdischen Nationalfeiertag Jom Kippur stattgefunden und damit am "heiligsten Tag für unser Volk", sagte er in einer Mitteilung seines Büros. "Ich fordere die Behörden in Deutschland auf, weiterhin entschlossen gegen das Phänomen des Antisemitismus vorzugehen", fügte der Premierminister hinzu.

Macron zeigt sich schockiert

UN-Generalsekretär António Guterres bewertete den Vorfall als "eine weitere tragische Demonstration von Antisemitismus", teilte ein UN-Sprecher in New York mit. Den Familien der Opfer, der deutschen Regierung und den Menschen in Deutschland sprach Guterres sein "tiefstes Beileid" aus.

Auch ausländische Staats- und Regierungschefs kondolierten den Opfern. Sie sei "zutiefst geschockt von dem tragischen Vorfall in Halle", erklärte die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron schrieb auf Twitter: "Die antisemitische Attacke von Halle ist ein Schock. Wir verurteilen sie scharf." Der Präsident sprach der jüdischen Gemeinschaft seine volle Unterstützung, Deutschland seine Solidarität und den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

Es seien "entsetzliche Nachrichten über zwei Tote und einen Angriff auf eine Synagoge in Halle – heute an Jom Kippur", schrieb das österreichische Staatsoberhaupt Alexander Van der Bellen über den Kurznachrichtendienst Twitter. "Wir müssen alles tun, damit Jüdinnen und Juden in Sicherheit leben können", betonte der Bundespräsident.

"Antisemitismus ist Gotteslästerung"

Neben Politikerinnen und Politikern aller Parteien zeigten sich auch Glaubensgemeinschaften schockiert von den Angriffen. Kardinal Reinhard Marx sagte: "Ich bin entsetzt und erschüttert über den feigen Anschlag von Halle." "Unser Mitgefühl gilt den Todesopfern, ihren Angehörigen und den Verletzten", so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.

"Die Täter hatten offensichtlich gezielt die Synagoge von Halle ausgesucht, um am höchsten jüdischen Feiertag Blut zu vergießen. Wir stehen solidarisch an der Seite der jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger", so Marx. Antisemitismus oder gar blinde Gewalt dürften keinen Platz in der Gesellschaft haben.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sagte: "Ich bin entsetzt und fassungslos angesichts dieser Gräueltat. Mein Mitgefühl ist bei den Familien der Opfer, die ich in meine Gebete mit einschließe." Er fügte hinzu: "Als Christen wie als Deutsche sind wir aufgerufen, uns dem entgegenzustellen. Denn Antisemitismus ist Gotteslästerung."