Ein starker Taifun hat in der japanischen Hauptstadt Tokio und umliegenden Regionen heftige Verwüstungen verursacht. Mindestens zwei Menschen starben, Dutzende wurden in den Sturmböen verletzt. Mehrere Menschen galten am Abend (Ortszeit) noch als vermisst. Das berichtete das japanische Fernsehen. Das genaue Ausmaß der Schäden war zunächst noch unklar.

Die Behörden hatten mehr als drei Millionen Bewohnern des Landes geraten, sich vor dem Wirbelsturm Hagibis in Sicherheit zu bringen. Hagibis bedeutet auf Philippinisch "schnell"; in Japan wird der Sturm Taifun Nummer 19 genannt. Er erreiche Windgeschwindigkeiten von bis zu 216 Kilometern pro Stunde und könne Tokio und andere Gebiete im Osten Japans mit den schlimmsten Regenfällen seit 1958 überziehen, hieß es. Damals hatte ein Taifun mehr als 1.200 Menschen getötet.

Die Behörden gaben daher erstmals die höchste Warnstufe sechs heraus. Am Abend (Ortszeit) wurde die Intensität des Wirbelsturms von "sehr stark" auf "stark" herabgestuft. Laut dem japanischen Wetterdienst bewegt sich der Taifun mit einer Geschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde Richtung Norden. Meteorologen erwarten, dass der Wirbelsturm am Sonntag über dem Pazifik abzieht.

Heftige Überschwemmungen und Erdrutsche

Auf Land getroffen war der Wirbelsturm über der Halbinsel Izu nahe Tokio. In der Hauptstadt trat der Tamagawa-Fluss über die Ufer. Manche Straßenzüge standen unter Wasser, Dutzende Häuser im Großraum Tokio wurden teils stark beschädigt. Etliche Kaufhäuser und Läden blieben geschlossen, Straßen und Bahnhöfe verwaist. Viele Bewohner hatten sich mit Wasser und Lebensmitteln eingedeckt.

Auch andere Flüsse in der Region schwollen bedrohlich an. Das örtliche Fernsehen zeigte Szenen aus Tokios Nachbarstadt Kawasaki, wo ein Mann aus einem überfluteten Wohnhaus gerettet wurde. Feuermänner arbeiteten sich dabei bis zur Hüfte im Wasser stehend vor. Auch an anderen Orten mussten Einsatzkräfte Menschen in Sicherheit bringen.

Zudem gingen stellenweise Erdrutsche nieder. Ein Mann in der Provinz Gumma starb, als sein Haus verschüttet wurde. Ein anderer wurde in Tokios Nachbarprovinz Chiba, wo bereits im September ein Taifun gewütet und zu massiven Stromausfällen geführt hatte, von einem umgestürzten Laster getötet.

Hunderttausende waren zwischenzeitlich von der Stromversorgung abgeschnitten. Unternehmen wie die beiden großen Autobauer Toyota und Honda ließen die Bänder in einigen ihrer Fabriken ruhen. Die einbrechende Dunkelheit erschwerte die Rettungseinsätze.

Erdbeben der Stärke 5,7 erschüttert Tokio

Bahnbetreiber hatten frühzeitig Einschränkungen des Verkehrs für das Wochenende im Westen und Osten einschließlich Tokios angekündigt. Die Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) strich für Samstag sämtliche Inlandsflüge sowie die meisten internationalen Flüge an den beiden Tokioter Flughäfen Haneda und Narita. Auch Japan Airlines (JAL) entschied, die meisten Flüge zu streichen.

Die Qualifikation für das Formel-1-Rennen von Japan findet aus Sorge vor den Auswirkungen des Sturms erst am Rennsonntag statt. Alle für den Samstag geplanten Aktivitäten auf der Strecke wurden abgesagt. Auch zwei Spiele der laufenden Rugby-Weltmeisterschaft in Japan mussten abgesagt werden.

Vor dem Taifun hatte im Großraum Tokio zudem die Erde gebebt. Die Gefahr eines Tsunamis bestand nicht, wie die nationale Meteorologische Behörde bekannt gab. Auch gab es keine Berichte über Verletzte. Das Beben hatte demnach eine Stärke von 5,7 auf der Richter-Skala.