Nach der tödlichen Messerattacke von Paris hat die französische Regierung Schritte zur besseren Aufdeckung von Radikalisierung innerhalb der Polizei angekündigt. Es werde zwei Aufklärungsmissionen geben, sagte der französische Premierminister Édouard Philippe der Zeitung Le Journal du Dimanche am Samstag. Der mutmaßlich terroristisch motivierte Messerangriff eines Polizeimitarbeiters auf Kolleginnen und Kollegen in Paris hatte in dem Land Entsetzen ausgelöst.

Zum einen soll bis Ende Oktober untersucht werden, ob die internen Mechanismen für den Fall einer Radikalisierung von Mitarbeitern bei der Pariser Polizei umgesetzt wurden. Zum anderen sollen bei den Geheimdiensten, die mit der Terrorbekämpfung betraut sind, bis Jahresende die internen Prozesse zur Aufdeckung radikaler Mitarbeiter überprüft werden. Für Frankreichs Geheimdienste habe die "Erkennung interner Bedrohungen absolute Priorität", sagte Philippe. Anzeichen für eine mögliche Radikalisierung dürften niemals "ohne Antwort bleiben".

Ein 45-jähriger langjähriger Mitarbeiter des Pariser Polizeipräsidiums hatte am Donnerstag in der Polizeipräfektur auf der Seine-Insel Île de la Cité vier seiner Kollegen erstochen und zwei weitere verletzt, bevor er von einem Polizisten erschossen wurde. Er war vor 18 Monaten zum Islam übergetreten. Nach Angaben des Chefermittlers der Antiterrorstaatsanwaltschaft, Jean-François Richard, war er ein Anhänger des radikalen Islam mit Kontakten zur ultrakonservativen Salafistenbewegung. Er arbeitete seit 2003 im Polizeipräsidium.

Ermittler suchen nach Gründen für die Tat

Laut Richard hat der Mann vor der Tat per Mobiltelefon ausschließlich religiöse Nachrichten mit seiner Ehefrau ausgetauscht. Diese tauche aber nicht in der Datei für islamistische Gefährder auf. Unmittelbar vor der Tat habe der Mann zwei Messer gekauft. Er sei mit extremer Gewalt vorgegangen. Seine Tat habe nur wenige Minuten gedauert, bis er von einem Polizisten erschossen worden sei. "Die Ermittlungen werden nun fortgesetzt, um die Gründe für diese Tat und die Persönlichkeit des Täters genauer zu bestimmen", kündigte der Chefermittler an.

Frankreich wird seit Jahren von einer islamistischen Terrorwelle erschüttert. Dabei sind bislang mehr als 250 Menschen ums Leben gekommen. Vor wenigen Monaten hat ein 24-jähriger IS-Anhänger einen selbst gebauten Sprengsatz vor der Filiale einer Bäckereikette in einer Einkaufsstraße von Lyon platziert. Mehr als ein Dutzend Menschen wurde verletzt.

Für Dienstag ist laut der Regierung eine Gedenkfeier in der Polizeipräfektur mit Präsident Emmanuel Macron geplant.