Eine Vorlesung von AfD-Mitbegründer und Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke an der Universität Hamburg ist erneut gestört worden. Etwa zehn bis 15 linke Demonstranten drangen in den Saal ein und skandierten Slogans wie "Kein Recht auf Nazipropaganda".

Lucke beendete die Vorlesung, verließ den Saal und fuhr mit einem Auto davon. 

Nach Angaben eines FAZ-Reporters gab es am Hörsaal eine Einlasskontrolle, bei der nur angemeldete Studierende durchkamen.

Bei seiner ersten Vorlesung nach seiner Rückkehr an die Universität vor einer Woche war Lucke als "Nazischwein" beschimpft, körperlich bedrängt und am Reden gehindert worden. An dem Protest beteiligt waren auch Angehörige der Antifa. Er hatte den Protest zunächst abgewartet und versucht, mit den Studierenden ins Gespräch zu kommen.

Lucke hat die AfD mitgegründet. Er führte sie bis 2015, bis er auf einem Parteitag abgewählt wurde. Er trat aus und gründete die Partei Alfa, die er aus namensrechtlichen Gründen später in Liberal-Konservative-Reformer umbenannte. Auch diese Partei war von internen Zerwürfnissen geplagt. Bis zum Mai war Lucke Abgeordneter im Europäischen Parlament. Das Mandat hatte er noch über die AfD erhalten. Danach wechselte er wieder in die Lehre.

Im Bundestag gab es fraktionsübergreifend Kritik an den Störungen. "Keine Ideologie, keine Überzeugung kann für sich in Anspruch nehmen, über dem Gesetz zu stehen", betonte Parlamentsvizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) in einer Aktuellen Stunde. Die Grünen-Abgeordnete Manuela Rottmann verurteilte derartige Blockadeaktionen als "anmaßend und dumm".

Streit entzündete sich allerdings an der Frage, wer für die Verrohung der politischen Auseinandersetzung verantwortlich ist. Friedrich Straetmanns von den Linken sagte, die vergiftete Diskussionskultur komme von "Rechtsaußen". Der AfD-Parlamentarier Martin Reichardt beklagte hingegen eine Einschränkung der Meinungsfreiheit durch "Gesinnungstotalitaristen" in den Reihen von Linke, Grünen und SPD.

Das Wort ergriff auch Ex-Innenminister Thomas de Maizière. Eine Lesung von ihm beim Göttinger Literaturherbst war ebenfalls gestört worden. "Zur Meinungsfreiheit gehört, (...) dass ein umstrittener Professor, dessen Meinung mir nicht gefällt, in Hamburg eine Vorlesung halten kann", sagte er. Die frühere Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) betonte allerdings auch, Widerspruch gegen die AfD sei die Pflicht jedes Demokraten: "Es gibt nicht die Freiheit, unwidersprochen nationalistische Hetze zu verbreiten."