Die Welthungerhilfe warnt vor neuen Gefahren für den Kampf gegen Unterernährung durch den Klimawandel. Seit Anfang der Neunzigerjahre habe sich die Zahl der Katastrophen infolge von Extremwetter verdoppelt, heißt es in dem am Dienstag vorgestellten Welthunger-Index. Dies führe gerade in ärmeren Ländern zu sinkenden Ernteerträgen, steigenden Nahrungsmittelpreisen und Einkommensverlusten.

All dies erschwere den Kampf gegen den Hunger. "Für die Zukunft prognostizieren Klimamodelle höhere Durchschnittstemperaturen in den meisten Land- und Meeresregionen, Hitzewellen in den meisten bewohnten Gebieten sowie in einigen Regionen starke Niederschläge und eine immer höhere Dürrewahrscheinlichkeit", schreiben die Autoren der Studie.

Südasien und afrikanische Staaten südlich der Sahara sind nach den vorliegenden Daten die Regionen, die in diesem Jahr die höchsten Indexwerte aufweisen und somit in die Kategorie "ernst" fallen. Die Zentralafrikanische Republik ist als einziges Land von gravierendem Hunger betroffen, während vier weitere Länder – Tschad, Madagaskar, Jemen und Sambia – eine sehr ernste Hungersituation aufweisen. Unter den 117 berücksichtigten Ländern weisen 43 ernste Hungerwerte auf.  

Frauen und Kinder am stärksten von Mangelernährung betroffen

Die Experten mahnen eine "radikale Veränderung der Produktions- und Konsummuster" insbesondere in einkommensstarken Ländern an. Dazu gehöre, weniger Lebensmittel zu verschwenden. Klima-, Ernährungs- und Handelspolitik müssten zudem besser aufeinander abgestimmt sein. Der Welthunger-Index wird seit 2006 jährlich von der Welthungerhilfe mit Sitz in Bonn sowie der irischen Organisation Concern Worldwide veröffentlicht. Die auf Basis von Datenmaterial der Vereinten Nationen erstellte Rangliste soll Auskunft geben über den Anteil an Unterernährten.

Anlässlich des Welternährungstags am Mittwoch veröffentlichten weitere Organisationen Berichte über globale Mangelernährung. Eine besonders betroffene Gruppe sind Kinder und Frauen.

Mindestens jedes dritte Kind unter fünf Jahren ist krank aufgrund unzureichender oder schlechter Ernährung – 200 Millionen Mädchen und Jungen weltweit. Das geht aus einem am Dienstag in New York veröffentlichten Report des UN-Kinderhilfswerks Unicef hervor. Demnach sind die Kinder entweder unterernährt oder übergewichtig. "Wenn Kinder schlecht essen, leben sie schlecht", sagte Unicef-Chefin Henrietta Fore bei der Vorstellung des Berichts. Mangelernährung habe sich verändert. "Es geht nicht nur darum, dass Kinder genug zu essen haben; es geht vor allem darum, dass sie das Richtige essen", sagte Fore.

Recht auf Nahrung eines der am häufigsten verletzten Menschenrechte

Einem anderen Bericht zufolge sind Frauen und Mädchen stärker von Hunger und Ernährungsunsicherheit betroffen als Männer. Frauen übernähmen beim Anbau, der Ernte und der Zubereitung von Essen zentrale Aufgaben, heißt im neuen Jahrbuch zum Recht auf Nahrung, das unter anderem das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt herausgibt. Trotzdem seien immer noch die Mehrheit der Menschen, die Hunger leiden, Frauen und Mädchen. "Wegen mangelnder politischer Teilhabe, fehlender rechtlicher Gleichstellung und Diskriminierung beim Zugang zu Land und anderen Ressourcen sind Frauen viel stärker von Ernährungsunsicherheit betroffen als Männer", so Bernhard Walter, Ernährungsexperte von Brot für die Welt.

Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO stieg die Zahl der Menschen, die unter Hunger und "mittlerer oder schwerer Ernährungsunsicherheit" leiden, zwischen 2014 und 2018 um 300 Millionen auf über zwei Milliarden an. Weltweit lebt demnach beinahe jeder vierte Mensch in der Ungewissheit, ob es am nächsten Tag ausreichend und qualitativ gute Nahrung gibt. Das Recht auf Nahrung ist als Menschenrecht verankert in Artikel 11 des Internationalen Pakts über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, dem UN-Sozialpakt. Es ist eines der am häufigsten verletzten Menschenrechte.