Der Amazonas könnte in puncto Zölibat zur fortschrittlichsten Region in der katholischen Kirche werden: Denn die Bischofssynode im Vatikan hat sich für die Priesterweihe von verheirateten Männern ausgesprochen – allerdings als Ausnahme und beschränkt auf die strukturschwache Region in Südamerika. Die Mehrheit der Teilnehmer schlug am Samstag in Rom vor, "geeignete und anerkannte Männer" in dem Regenwaldgebiet zu katholischen Priestern zu weihen, auch wenn sie eine Familie haben.

Für den Vorschlag einiger Teilnehmer, den Zölibat komplett abzuschaffen, wie aus dem Abschlussdokument hervorgeht, gab es jedoch keine Mehrheit. Eine Synode fasst keine verpflichtenden Beschlüsse, sondern gibt dem Papst lediglich Empfehlungen. Dieser verfasst dann ein eigenes Schreiben dazu.

Hintergrund ist der Priestermangel in der Region. Angesichts des Zulaufs der evangelikalen Kirchen in Lateinamerika plädieren viele Katholiken seit Langem dafür, neue Wege zu beschreiten und einerseits die Weihe älterer, verheirateter Männer – viri probati – zum Priesteramt zuzulassen. Voraussetzung für die Weihe soll sein, dass die betreffenden Männer bereits als Diakone tätig sind. Überdies verlangen die Bischöfe, dass in der Region die Weihe von Frauen, etwa als Diakoninnen, geprüft wird. Auf diese Weise sollen in den Weiten des Amazonasgebiets genügend katholische Geistliche für das Spenden von Sakramenten zur Verfügung stehen.

Rolle der Frauen in der Kirche

Die Gegner solcher Neuerungen berufen sich auf die katholische Kirchentradition, nach der nur unverheiratete Männer als Priester geweiht werden können und dann im Zölibat leben müssen. In dem Abschlussdokument ist der Punkt der mit den meisten Gegenstimmen (41 zu 128). Ausdrücklich wird dabei betont, dass nicht der Zölibat – also die Pflicht zur Ehelosigkeit von Priestern – infrage gestellt wird.

Auch bei der Frauenfrage zeigte sich der Richtungsstreit in der Kirche. So sprechen sich die Synodenteilnehmer zwar für mehr Frauen in Führungspositionen aus, was das genau bedeutet, bleibt allerdings schwammig. Stattdessen erinnert das Papier bei der Frage, ob Frauen zu Diakoninnen geweiht werden könnten, an eine Studienkommission, die der Papst schon 2016 dazu eingerichtet hatte. Die Synode wolle sich mit der Kommission austauschen. Über das Abschlussdokument durften nur die Männer abstimmen – was bei den teilnehmenden Frauen Irritationen ausgelöst hatte.

Bischöfe: Ausbeutung des Amazonas "ökologische Sünde"

Auf der Amazonas-Synode diskutierten Bischöfe und Experten aus Südamerika und anderen Teilen der Welt drei Wochen lang über die besonderen Herausforderungen der Kirche im Amazonasgebiet sowie über Klimawandel, Armutsbekämpfung, Landenteignung und Umweltverschmutzung. Die Ausbeutung der Amazonasregion, die derzeit unter dem brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro besonders stark voranschreitet, bezeichneten die Bischöfe als "ökologische Sünde" und eine "Tat gegen Gott".

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Reinhard Kardinal Marx betonte, die Debatte über die Synode dürfe nicht auf das Thema der viri probati beschränkt werden. Das Überleben der Menschheit stehe im Zentrum. "Es ist Zeit zu handeln, wenn es um die Zukunft der Menschheit geht, der Erde", sagte er. Er empfinde die Synode "als Impuls weiterzudenken, sowohl in der ökologischen als auch in der pastoralen Frage".