30 Jahre Mauerfall - "Zu viele Menschen wurden Opfer der SED-Diktatur" Sie wurden unterdrückt, überwacht und getötet: Die Bundeskanzlerin hat bei einer Gedenkveranstaltung der Stiftung Berliner Mauer an die Opfer der SED-Diktatur erinnert. © Foto: Reuters/Fabrizio Bensch

Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls hat Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu aufgerufen, die 1989 errungene Freiheit gegen neue Anfeindungen zu verteidigen. "Der 9. November, in dem sich in besonderer Weise sowohl die fürchterlichen als auch die glücklichen Momente unserer Geschichte widerspiegeln, ermahnt uns, dass wir Hass, Rassismus und Antisemitismus entschlossen entgegentreten müssen", sagte die CDU-Politikerin am Samstag in Berlin bei der zentralen Gedenkfeier.

Sie forderte die Menschen auf, sich nicht entmutigen zu lassen. "Keine Mauer, die Menschen ausgrenzt und Freiheit begrenzt, ist so hoch oder so breit, dass sie nicht doch durchbrochen werden kann", sagte Merkel in der Kapelle der Versöhnung auf dem früheren Todesstreifen an der Bernauer Straße.

Der 9. November sei ein Schicksalstag der deutschen Geschichte, sagte Merkel. Sie erinnerte an die Pogromnacht der Nazis von 1938. Darauf seien Menschheitsverbrechen und der Holocaust gefolgt.

Zugleich würdigte sie die Menschen, die sich dem SED-Staat entgegenstellten: "Ich erinnere an die, die an der Mauer getötet wurden, weil sie die Freiheit suchten." Merkel verwies auch auf rund 75.000 Menschen, die in der DDR inhaftiert waren, weil sie die Freiheit suchten. "Ich erinnere an die, die unterdrückt wurden und ihre Träume begraben mussten", sagte sie.

Zeiten tiefgreifender Veränderungen

Die Kanzlerin mahnte, für die Errungenschaften eines vereinten Europas einzutreten. Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde müssten immer wieder neu verteidigt werden. Dies sei in Zeiten tiefgreifender technologischer und globaler Veränderungen aktueller denn je, aber auch schwierig. "Der Beitrag des Einzelnen mag klein erscheinen, doch davon dürfen wir uns nicht entmutigen lassen", sagte sie.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte den Beitrag Polens, Ungarns, Tschechiens und der Slowakei zum Mauerfall. "Ohne den Mut, ohne den Freiheitswillen" der Polen und Ungarn, der Tschechen und Slowaken "wären die friedlichen Revolutionen in Osteuropa und die deutsche Einheit nicht möglich gewesen", sagte der Präsident im Beisein der Staatsoberhäupter der vier Länder.

Steinmeier hatte Polens Staatschef Andrzej Duda, den tschechischen Präsidenten Miloš Zeman, die slowakische Präsidentin Zuzana Čaputová und den ungarischen Staatschef János Áder bereits am Samstagmorgen im Schloss Bellevue empfangen.

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