Der Untersuchungsausschuss des Bundestages im Fall Anis Amri will den Pegida-Gründer Lutz Bachmann als Zeugen befragen. Das sei mit den Stimmen von Grünen und AfD beschlossen worden, sagte der SPD-Obmann im Ausschuss, Fritz Felgentreu. Der Gründer der islamfeindlichen und rassistischen Bewegung Pegida hatte wenige Stunden nach dem Anschlag auf Twitter behauptet, er habe eine "interne Info" aus der Berliner Polizeiführung, der zufolge der Täter "tunesischer Moslem" sei. Der Attentäter Anis Amri stammte tatsächlich aus Tunesien. Später gab Bachmann an, er habe keinen Informanten gehabt.

Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen gestohlen, mit dem er über den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz fuhr. Er tötete zwölf Menschen. Nach der Tat floh er nach Italien, wo ihn die Polizei vier Tage später erschoss. Neben den Abgeordneten des Bundestages beschäftigten sich auch Untersuchungsausschüsse verschiedener Landesparlamente mit dem Fall.

Abgeordnete kritisierten im Zusammenhang mit den Ermittlungen die Informationspolitik der Bundesregierung. Anlass ist der Umgang mit mehreren Videos, die die deutschen Behörden über einen ausländischen Nachrichtendienst erreicht haben sollen. Auf einem der Videos, das dem Bundesnachrichtendienst (BND) erst nach dem Terroranschlag in Berlin zugegangen sein soll, ist nach Auskunft von Bundestagsabgeordneten zu sehen, wie Anis Amri eine Schusswaffe in der Hand hält und eine "Kopf-ab-Geste" macht. Vertreter der Bundesregierung seien in einer nicht öffentlichen Sitzung Antworten schuldig geblieben, bemängelten Oppositionsvertreter.

"Uns hätte vor allem interessiert, wer wann zu welchem Zeitpunkt Kenntnis von welchem Video hatte und was damit gemacht worden ist", sagte der FDP-Abgeordnete Benjamin Strasser. Die Linke-Abgeordnete Martina Renner nannte es "einen relativ unglaubwürdigen Vorgang", dass beim Bundesamt für Verfassungsschutz angeblich nicht festgehalten worden sei, wann die Videos dort eingingen.

Ein Video von Anfang Dezember zeigt laut Renner einen Schwenk von einem Hochhaus über den späteren Anschlagsort. Das Bundeskriminalamt habe nach eigenen Angaben das Video selbst aus einem Google-Cloud-Konto Amris heruntergeladen, berichten Teilnehmer der Sitzung. Irene Mihalic von den Grünen sagte, nach Angaben der Bundesregierung sei unklar, ob zuerst der deutsche Inlands- oder der Auslandsgeheimdienst die Videos bekommen hätte. "Ich glaube diese Geschichte so nicht." Es sei entscheidend zu klären, ob eine deutsche Stelle noch vor dem Anschlag Kenntnis der Videos hätte und das Attentat womöglich hätte verhindert werden können.