Das Bundesverfassungsgericht soll klären, ob sogenanntes Containern strafbar ist. Zwei Studentinnen, unterstützt von der Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF), legten in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde gegen ihre Verurteilung wegen Diebstahls ein. Sie hatten aus Protest gegen Lebensmittelverschwendung unter anderem Obst und Gemüse aus einem Supermarkt-Müllcontainer geholt.

Das Amtsgericht Fürstenfeldbruck hatte die Studentinnen im Januar zu jeweils acht Sozialstunden sowie einer Geldstrafe von 225 Euro auf Bewährung verurteilt. Das Bayerische Oberste Landesgericht bestätigte das Urteil im Oktober. Die Staatsanwaltschaft in München hatte den Fall aus "besonderem öffentlichen Interesse" weiterverfolgt, obwohl der Markt seinen Strafantrag zurückzog.

"Containern ist kein Diebstahl", kritisierte GFF-Vorstandsmitglied Boris Burghardt. Strafrecht solle "sozialschädliches Verhalten" ahnden, forderte er. Wer verhindere, dass Lebensmittel verschwendet werden, tue "nichts Verwerfliches".

Die Studentinnen hoben die grundsätzliche Bedeutung ihrer Verfassungsbeschwerde hervor. "Wir wollen unserer Positionierung gegen Lebensmittelverschwendung und die Kriminalisierung des Containerns mit dem Schritt vor das Bundesverfassungsgericht Nachdruck verleihen", teilten sie mit.

Containern als Mittel im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung ist auch politisch umstritten. Im Sommer scheiterte auf der Justizministerkonferenz der Länder eine Initiative Hamburgs, das Sammeln von Lebensmitteln aus Supermarkt-Mülltonnen straffrei zu stellen.