Roger Hallam, Mitbegründer der Klimaschutzbewegung Extinction Rebellion, hat sich für seine Aussagen in der ZEIT über den Holocaust entschuldigt. "Es tut mir sehr leid für die Wörter, die ich benutzt habe", schrieb er auf Facebook. "Und ich möchte mich entschuldigen für die Verletzung und die Beleidigung, die sie ausgelöst haben."

Hallam hatte in der ZEIT den Holocaust relativiert und die deutsche Haltung als schädlich beschrieben. "Das Ausmaß dieses Traumas kann lähmen", warnte der 52-Jährige. "Das verhindert, dass man daraus lernt." Genozide habe es in den vergangenen 500 Jahren immer wieder gegeben. "Um ehrlich zu sein, könnte man sagen: Das ist ein fast normales Ereignis." Auch der Holocaust sei für ihn "just another fuckery in human history", so Hallam – "nur ein weiterer Scheiß in der Menschheitsgeschichte".

Hallam schrieb nun auf Facebook, er habe genau das Gegenteil davon erreichen wollen, den Holocaust herunterzuspielen. Er habe sich darauf bezogen, um auf die "unvorstellbare Tragödie" hinzuweisen, die der Klimawandel auslöse. Alle in Europa hätten sich nach dem Holocaust "Nie wieder" geschworen, aber nun werde nichts dagegen getan, dass ganze Regionen der Welt zu Todeszonen würden.

"Unnötige Debatte"

In dem Interview sei er vom Thema Klimawandel abgewichen in eine "unnötige Debatte" über die Frage, wie der Holocaust einzuordnen sei im Verhältnis zu anderen Genoziden. "Ich verstehe jetzt, dass so eine Debatte obszön und beleidigend ist, vor allem für alle, die von Erinnerungen verfolgt werden und für alle, die geliebte Menschen verloren haben."

Hallam schränkte seine Entschuldigung jedoch ein: "Ich finde nicht, dass ich mich entschuldigen muss für die Aufmerksamkeit, die ich auf den Genozid gelenkt habe, der gerade passiert. Wir müssen aus der Vergangenheit lernen."

Noch vor seiner Entschuldigung hatte Hallam allerdings dem Spiegel ein Interview gegeben und dabei gesagt: "Der Klimawandel ist nur das Rohr, durch das Gas in die Gaskammer fließt. Es ist nur der Mechanismus, durch den eine Generation eine andere tötet." Außerdem sprach er von einer "bewussten Entscheidung" der Eliten, "die nächste Generation zu zerstören, um an der Macht bleiben zu können".

Der deutsche Ableger von Extinction Rebellion hatte sich von Hallams Aussagen in der ZEIT und auch von ihm als Person "entschieden distanziert". Inzwischen hat auch der deutsche Verlag des XR-Mitbegründers auf die Äußerungen reagiert und die geplante Veröffentlichung von Hallams Buch gestoppt.