In Frankreich haben Zehntausende Menschen gegen Gewalt an Frauen und Diskriminierung demonstriert. Allein in Paris gingen nach einer von mehreren Medien in Auftrag gegebenen unabhängigen Zählung 49.000 Menschen unter dem Motto #noustoutes (Wir alle) auf die Straße. Die Veranstalter sprachen von 100.000 Demonstrierenden allein in Paris.

Es habe sich um den "größten Marsch der französischen Geschichte" gegen sexistische und sexualisierte Gewalt gehandelt, sagte eine der Organisatorinnen, Caroline De Haas. Landesweit seien bei etwa 30 Kundgebungen 150.000 Menschen auf die Straße gegangen. Zu den Protesten hatten knapp 70 Organisationen, Parteien, Gewerkschaften und Verbände aufgerufen.

Die Teilnehmerinnen wollten unter anderem auf die hohe Zahl sogenannter Femizide aufmerksam machen – also Tötungen von Frauen wegen ihres Geschlechts. Auf Schildern war unter anderem "Brecht das Schweigen, nicht die Frauen" oder "Aggressoren, Stalker, ihr seid erledigt, die Frauen sind auf der Straße" zu lesen. Die Organisatoren hatten zuvor ein härteres Vorgehen des Staates bei Verbrechen gegen Frauen gefordert. "Mit diesem Marsch werden wir die Behörden zu angemessenen Maßnahmen zwingen", hieß es in einer Mitteilung auf Facebook.

2018: 121 getötete Frauen in Frankreich

Nach Recherchen der Nachrichtenagentur AFP gab es in diesem Jahr mindestens 116 Femizide in Frankreich. Aktivistinnen berichteten hingegen von mindestens 137 Frauen, die getötet wurden. Im vergangenen Jahr gab nach offiziellen Angaben 121 Todesopfer. In Frankreich wird das Thema seit Monaten kontrovers diskutiert. Neben Aktivistinnen hatten auch Experten des Europarats Frankreich in dieser Woche einen Mangel an Schutzunterkünften für Frauen und eine zu lockere Gesetzgebung vorgeworfen.

Die Gleichstellungsministerin Marlène Schiappa hatte im Sommer einen Runden Tisch zu häuslicher Gewalt eingesetzt. Am Montag will die französische Regierung Ergebnisse der Debatte vorstellen. Frankreichs Justizministerin Nicole Belloubet hatte ein Versagen öffentlicher Einrichtungen eingeräumt. "Unser System schafft es nicht, diese Frauen zu schützen", sagte Belloubet.

Auch in Rom gingen Tausende Frauen unter dem Motto "Nicht eine weniger" auf die Straße. An der Spitze demonstrierten Vertreterinnen von Frauenhäusern und Beratungsstellen. In Italien wurden in diesem Jahr laut Medienberichten 94 Frauen Opfer eines Femizids. Erst am Freitag wurde eine 30-jährige Frau in Palermo von ihrem Liebhaber erstochen. "Es scheint leider wie ein Virus zu sein, eine schreckliche Sache, die da geschieht, und die nicht den gesellschaftlichen Skandal auslöst, den sie sollte", sagte die frühere Parlamentspräsidentin Laura Boldrini, die an der Demonstration teilnahm.

In Deutschland wurden 2017 147 Frauen durch ihren aktuellen oder früheren Partner getötet, fast 2.400 vergewaltigt oder sexuell genötigt. 10.400 Frauen wurden Opfer gefährlicher Körperverletzung durch ihren derzeitigen oder ehemaligen Partner und etwa 67.000 Frauen Opfer von einfacher vorsätzlicher Körperverletzung durch ihre (Ex-)Männer.