Am 11. September scheint beim "Berliner Abend" des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) noch alles im Lot zu sein. Politik und Gäste sind eingeladen, es ist ein wichtiger Lobbytermin. Vor der Feuerwache Tiergarten stehen Löschfahrzeuge, es gibt ein üppiges Buffet. Feuerwehrpräsident Ziebs begrüßt die Gäste, keilt kurz gegen Bundesinnenminister Horst Seehofer, der wieder abgesagt hat, und redet über den Klimawandel. Danach muss er noch mit den Landesfeuerwehrverbänden für Fotos posieren und lächeln, sehr oft lächeln.

Nur dieses etwas sehr steife Lächeln von Ziebs hätte ein Hinweis sein können, dass etwas nicht stimmt. Zu dem Zeitpunkt steht der Deutsche Feuerwehrverband mit seinen 1,3 Millionen Mitgliedern kurz vor einem Machtkampf. Der gipfelt am 25. November vorerst darin, dass die Polizei zu Ziebs Wohnhaus gerufen wird: Sie muss eine Flüssigkeit untersuchen, die Unbekannte dort hingeschüttet haben. Der polizeiliche Staatsschutz im nordrhein-westfälischen Hagen ermittelt auch wegen zweier Hassmails an Ziebs, wie ein Polizeisprecher dem RedaktionsNetzwerk Deutschland sagte.

Auslöser dieser Eskalation ist ein Interview, das Ziebs der Lausitzer Rundschau Anfang September gegeben hat, kurz nach der Landtagswahl in Sachsen. Die rechtsnationalen Tendenzen in der AfD seien eine Gefahr für die Demokratie, sagte Ziebs der Zeitung. Dass es dramatisch wäre, wenn die Feuerwehr da hereinrutsche. Dann zitiert er als Beispiel eine Aussage, die vom Landesgeschäftsführer der Feuerwehr in Rheinland-Pfalz, Michael Klein, stammen soll: "Wenn ihr Geld braucht, wendet euch an die AfD." Klein jedoch dementiert, der AfD nahezustehen.

Es ist vor allem dieses Zitat, das zum Eklat führt. Kurz nach dem "Berliner Abend" verschickt der Feuerwehrchef von Rheinland-Pfalz, Frank Hachemer, eine Mail an alle Vorstände und Präsidenten des Bundesverbandes und beschwert sich über Ziebs. Er weist den Vorwurf einer angeblichen AfD-Nähe von Michael Klein zurück und schimpft erbost: "Es ist die Frage, ob dies die Art von Kommunikation ist, die wir uns als Landesverbände von unserem DFV wünschen." Daraufhin entschuldigt sich Ziebs wenige Tage später beim gleichen Verteiler für das "doch sehr zugespitzte Zitat" und entlastet Klein. Aber er lädt gleichzeitig immer noch dazu ein, ein Leitbild zu entwickeln, wie die Feuerwehr mit Rechtsextremen in den eigenen Reihen umgehen soll.

Damit hätte eine politische Debatte in einem wichtigen zivilgesellschaftlichen Verband einen guten Weg nehmen können. Schließlich engagieren sich eine Million Freiwillige auf dem Land, um dort den Brandschutz zu sichern, und noch einmal 300.000 in Jugendfeuerwehren und Berufsfeuerwehren. Selbst, wenn es in einem Dorf keinen Bäcker, keine Gaststätte mehr gibt – eine Freiwillige Feuerwehr gibt es meist. Wie viele ihrer Mitglieder der AfD angehören, wie viele mit Rechtsextremen sympathisieren, weiß allerdings niemand. Die Satzung des Feuerwehrverbandes hält fest: "Der Verband verhält sich in religiösen und parteipolitischen Fragen neutral."

Doch statt einer Diskussion setzt sich eine interne Spirale in Gang, die Auseinandersetzung geht viral, der Feuerwehrverband verliert die Kontrolle.

Erst wechseln noch, nicht öffentlich, Mails hin und her, beide Seiten schalten Anwälte ein, meist geht es um Michael Klein, bestätigt Ziebs. Am 12. November fordern allerdings fünf von sieben Vizepräsidenten nach einer Sondersitzung, über die sich niemand äußern will, Ziebs in einem dürren Schreiben zum Rücktritt auf. Begründung: fehlendes Vertrauen. Diese Mail erreicht das Feuerwehrmagazin und verbreitet sich in sozialen Netzwerken.