Frank Pörner: "Die Kirche war der einzige Raum, in dem es keine staatlichen Vorgaben gab." © Michael Schlieben für ZEIT ONLINE

Oppositionelle lebten gefährlich in der DDR. Widerstand war hier lange Zeit ein Nischenphänomen. Allerdings kippte in den späten Achtzigerjahren die Stimmung: Die Opposition wuchs plötzlich zur Massenbewegung. Die DDR ging unter, weil immer mehr Leute gegen sie auf die Straße gingen.

Frank Pörner hat diesen Umsturz mitgestaltet. Er war eines der führenden Mitglieder der Leipziger Nikolai-Gemeinde, von der im Herbst 1989 die ersten großen Demonstrationen ausgingen. "Die Kirche war der einzige Raum, in dem es keine staatlichen Vorgaben gab", sagt Pörner in der neuen Ausgabe des Podcasts Wie war das im Osten?.  

Gefälschte Wahlen, verdreckte Flüsse, offensichtliche Lügen der Machthaber – all das hatte Pörner 1989 dazu bewogen, sich einzubringen. Er wurde einer der Köpfe des Neuen Forums, jener ersten oppositionellen Sammelbewegung. Plastisch beschreibt er im Podcast, wie heikel damals alles gewesen ist: Wie Stasi-Leute die Kirche besetzten, wie die "Angst vorm Blutvergießen" allgegenwärtig war, wie sich die permanente Anspannung bei ihm körperlich bemerkbar machte. 

Aber er veranschaulicht auch, wie wichtig und euphorisierend diese Zeit des Umbruchs war. Er weiß, warum die Leipziger "Wir sind das Volk" riefen. Oder: "Wir bleiben hier!" Wie die Kirche den Sound und Auftritt der Proteste anfangs prägte und wie sich die Dynamik im Wendejahr weiterentwickelte. 

Nach dem Fall der Mauer nahm Pörner am Runden Tisch in Leipzig teil. Wie viele Bürgerrechtler glaubte er an einen "3. Weg". Sein Ziel war "eine demokratische DDR", nicht unbedingt die Wiedervereinigung. Das hielt ihn nicht davon ab, sich dennoch weiter einzubringen. Pörner wurde Leiter des Personalamts von Leipzig.

Auch über die aktuellen Versuche der AfD, die Slogans der Bürgerrechtler von damals zu übernehmen, spricht er im Podcast. Und er sagt, warum er die Demokratie, für die er gekämpft hat, für wichtig hält.

Inhaltsverzeichnis:

  • 0:01 – Was vermissen Sie an der DDR?
  • 0:06 – Jugend & Kirche
  • 0:28 – Friedensgebete
  • 0:39 – Rubrik: Ost-Humor und Witze als Ventil
  • 0:44 – Die Friedliche Revolution
  • 0:53 – Manipulierte Wahlen
  • 1:08 – Gründung Neues Forum
  • 1:20 – Erste Montagsdemonstration
  • 1:32 – Die Parolen: "Wir bleiben hier"
  • 1:53 – Rubrik  "Mach's yourself "
  • 1:55 – Der Weg zur Wiedervereinigung
  • 2:00 – Der Runde Tisch
  • 2:17 – Rubrik: Poesiealbum
  • 2:23 – Die AfD übernimmt die Sprüche der Bürgerrechtler