Die Lebenszufriedenheit der Menschen in Deutschland ist laut dem sogenannten Glücksatlas in diesem Jahr besonders hoch. "Zum Spitzenwert in der Zufriedenheit tragen die anhaltend gute Beschäftigungslage und die positive Entwicklung der Haushaltseinkommen bei sowie eine solide Robustheit der Bevölkerung gegenüber medialen Schlechtwettermeldungen", sagte Studienleiter Bernd Raffelhüschen von der Universität Freiburg. 

Der Glücksatlas wird seit neun Jahren im Auftrag der Deutschen Post erstellt. Die Werte der aktuellen Untersuchung stammen aus den Daten des Sozio-oekonomischen Panels. Zusätzlich wurde eine Umfrage unter 2.000 Personen verwendet.

Die Lebenszufriedenheit liegt demnach in diesem Jahr auf einer Skala von 0 bis 10 Punkten bei 7,14. Damit wird das Ergebnis von 7,05 Punkten aus dem Vorjahr leicht verbessert. Das ostdeutsche Glücksniveau stieg um 0,11 Punkte auf ein Allzeithoch von 7,0 Punkten. Das ist der höchste Wert, der jemals seit dem Mauerfall vor 30 Jahren gemessen wurde. Der Abstand zwischen West- und Ostdeutschland verringerte sich damit weiter auf aktuell 0,17 Punkte. Am glücklichsten sind die Menschen im Osten der Studie zufolge in Thüringen, ihre Zufriedenheit nahm weiter auf 7,09 Punkte zu. Nur in Sachsen stieg die Zufriedenheit noch etwas stärker, und zwar um 0,07 Punkte auf aktuell 6,98 Punkte.

Deutschlandweit am zufriedensten sind die Menschen der Erhebung zufolge seit 2013 in Schleswig-Holstein, das Schlusslicht bildet wie im Jahr zuvor Brandenburg. Platz zwei belegt erstmals Hessen, wo die Lebenszufriedenheit im Vergleich zu 2018 um 0,04 Punkte auf aktuell 7,31 Punkte anstieg. Hamburg (7,27) verliert einen Rang und landet auf Platz drei.

Abstand zwischen Ost und West

Blickt man auf die Zufriedenheit in einzelnen Bereichen, verringert sich der Unterschied zwischen Ost und West nicht überall. Ihre Wohnsituation bewerteten die Westdeutschen 1990 noch mit 7,7 Punkten, während die Bewertungen im Osten mit 7,0 Punkten deutlich darunter lagen. In den folgenden Jahren schmolz der Abstand hier zwar von 0,7 auf 0,2 Punkte zusammen. Der Unterschied in der Zufriedenheit mit der Familiensituation hat sich seit 2006 hingegen vergrößert. So sind die in Westdeutschland lebenden Menschen im Durchschnitt um 0,35 Punkte zufriedener als die in Ostdeutschland. 2006 betrug die Differenz nur 0,2 Punkte. 

Mit der Arbeitszufriedenheit ging es nach der Wiedervereinigung in West- und Ostdeutschland zunächst bergab. Im Osten fiel sie von 7,2 (1990) auf 6,35 im Jahr 2005. Erst seit Mitte der 2000er-Jahre geht es insgesamt wieder aufwärts, wobei sich der Abstand zwischen Ost und West verringerte. In beiden Landesteilen wurden die alten Niveaus aus 1990 aber immer noch nicht erreicht. Bei der Zufriedenheit mit dem Haushaltseinkommen betrug die Glücksdifferenz 2004 noch 0,8 Punkte und halbierte sich seither auf 0,4 Punkte.

Genderspezifische Benachteiligung im Job

In diesem Jahr hat die Studie auch untersucht, welche Auswirkungen Erfahrungen mit Geschlechterdiversität und -gleichberechtigung auf die Zufriedenheit haben. Dazu wurden vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos insgesamt 2.000 Deutsche zwischen 18 und 65 Jahren befragt.

Das Arbeiten in diversen Teams wirkt sich demnach für zwei Drittel der Beschäftigten positiv auf die eigene Arbeitszufriedenheit aus. Dies sehen Männer und Frauen im gleichen Maße so. Familienfreundliche Angebote der Arbeitgeber leisten ebenfalls einen Beitrag zu mehr Geschlechtergerechtigkeit und stärken zudem die Arbeitszufriedenheit.

Obwohl 45 Prozent der arbeitenden Deutschen konkrete Aktivitäten ihrer Unternehmen für mehr Gleichstellung wahrnehmen und diese auch begrüßen, sehen sie gleichzeitig immer noch genderspezifische Benachteiligungen. So meinen 25 Prozent der Frauen, aber nur 16 Prozent der Männer, sie hätten schlechtere Aufstiegschancen als die Kollegen des jeweils anderen Geschlechts. Insgesamt denken 59 Prozent der Frauen und 45 Prozent der Männer, dass in unserer Gesellschaft mehr für die Gleichstellung von Frauen und Männern getan werden muss.