Nach dem Fund von 39 Leichen in einem Lastwagen in dem britischen Ort Grays nahe London geht die Polizei nun davon aus, dass alle Opfer aus Vietnam stammen. Das teilte der stellvertretende Polizeichef von Essex, Tim Smith, mit. "In diesem Moment nehmen wir an, dass alle Opfer vietnamesische Bürger sind, wir stehen deswegen in Kontakt mit der vietnamesischen Regierung." Nach der Entdeckung der Leichen am 23. Oktober hatte die britische Polizei zunächst mitgeteilt, es handele sich um Chinesen.

Smith sagte, es seien vermutlich Verwandte von einigen der Toten ausfindig gemacht worden. "Wir stehen in direktem Kontakt mit mehreren Familien in Vietnam und Großbritannien, und wir glauben, einige Familien den Opfern zugeordnet zu haben, deren Reise in einer Tragödie an unseren Ufern endete." Vietnamesischen Medienberichten zufolge meldeten bis zu 28 Familien in den Provinzen Ha Tinh und Nghệ An Angehörige als vermisst. Vor allem das arme zentralvietnamesische Nghệ An gilt als eines der Zentren von Menschenhandel.

Vietnams Außenminister Pham Binh Minh kondolierte via Twitter den Hinterbliebenen der Opfer und kündigte eine weitere enge Zusammenarbeit mit Großbritannien in dem Fall an. In Vietnam waren am Freitag im Zusammenhang mit diesem Fall zwei Menschen festgenommen worden. Nähere Angaben machten die Behörden zunächst nicht.

Auch in Irland wurde ein weiterer Verdächtiger festgenommen. Beamte vollstreckten am Freitag einen europäischen Haftbefehl gegen einen 23-Jährigen, wie die britische Polizei mitteilte. Die Behörde kündigte an, die Auslieferung des Verdächtigen zu beantragen. Dem aus Nordirland stammenden Mann werden Totschlag in 39 Fällen sowie Menschenhandel und Einwanderungsvergehen vorgeworfen. Zudem forderte die Polizei zwei verdächtige und ebenfalls aus Nordirland stammende Brüder auf, sich den Behörden zu stellen. Die Männer betreiben ein Transportunternehmen in der nordirischen Stadt Armagh.

Britische Zeitungen wie der Guardian berichten, dass der Lkw die gleiche Tour bereits mehrfach gefahren sein muss. Das würden GPS-Daten des Fahrzeugs nahelegen. Die Daily Mail zitiert einen Zeugen an einem der Orte, an denen der Kühllaster demnach gehalten hatte. Er habe vor drei Wochen gesehen, wie 15 bis 20 Migranten von einem Laster gesprungen seien. Das alles spreche dafür, dass dahinter eine größere Operation zum Menschenschmuggel stehe, hieß es.

Am 23. Oktober waren die Leichen von 31 Männern und acht Frauen in einem Kühllaster entdeckt worden waren. Der Fahrer des Wagens, ein 25-jähriger Nordire, wurde bereits wegen Totschlags in 39 Fällen, Beteiligung an Menschenhandel, Beihilfe zur illegalen Einwanderung sowie Geldwäsche angeklagt.