Die USA haben Demonstranten und Regierung in Hongkong nach erneuten Ausschreitungen zur Deeskalation aufgerufen. Am Morgen waren in der Sonderverwaltungszone erneut Proteste entflammt. Demonstranten blockierten Straßen und legten Teile des öffentlichen Nahverkehrs lahm. Fünf Monate nach Beginn der Proteste war die Gewalt am Montag erneut eskaliert: Ein Polizist schoss einen 21-jährigen Demonstranten an. Ein Mann wurde bei den Ausschreitungen angezündet. Daraufhin bezeichnete Regierungschefin Carrie Lam die Demonstranten als "Feinde des Volks".

Die US-Regierung forderte die Regierung, die Demonstranten und die übrigen Bürgerinnen und Bürger zum Dialog auf. "Die Vereinigten Staaten beobachten die Situation in Hongkong mit erheblicher Sorge", sagte Morgan Ortagus, die Sprecherin des US-Außenministeriums. "Wir sprechen den Opfern von Gewalt ungeachtet ihrer politischen Neigung unser Mitgefühl aus und rufen alle Parteien – die Polizei und Demonstranten – auf, sich in Zurückhaltung zu üben", sagte Ortagus.

Die Regierung müsse Anstrengungen unternehmen, die Sorgen auszuräumen, die den Protesten zugrunde liegen, sagte Ortagus weiter. Sie forderte zudem die Führung in Peking auf, sich an Verpflichtungen zu halten: Sie müsse Hongkong ein hohes Maß an Autonomie gewähren und dafür sorgen, dass die Menschen Meinungsfreiheit und die Freiheit der friedlichen Versammlung genießen könnten.

Regierung will Schulen offen halten

Regierungschefin Lam nannte die Aktionen der Protestierenden "extrem egoistisch". Sie wies Forderungen zurück, die Schulen am Dienstag geschlossen zu halten. Die Regierung würde in die Falle der Demonstranten tappen, wenn sie tägliche Aktivitäten einstellte.

Die jüngste Protestwelle in Hongkong hatte sich nach dem Tod eines Demonstranten in der vergangenen Woche entladen. Der 22-jährige Student war am Rande von Protesten von einem Parkhaus gestürzt. Auch am Wochenende war es erneut zu Ausschreitungen gekommen.

Die Hongkonger demonstrieren bereits seit dem 9. Juni gegen die eigene Regierung. Sie kritisieren vor allem einen wachsenden Einfluss der Pekinger Führung auf die ehemalige britische Kronkolonie.