Nach der illegalen Einreise des erst kürzlich in den Libanon abgeschobenen Bremer Clanchefs Ibrahim M. bemühen sich mehrere Behörden bundesweit um eine rasche Lösung des Falls. Die Abschiebehaft  könne "in einem ersten Schritt" bis zu drei Monate dauern, heißt es einem Schreiben des Bremer Innensenats, das ZEIT ONLINE vorliegt. M. ist Mitglied des libanesischen Miri-Clans, der häufig in Verbindung mit Straftaten gebracht wird.

Entscheidend ist nun, wie der Asylantrag von M. entschieden wird. Normalerweise kann dies einige Monate dauern. Deshalb wurde spekuliert, ob M. möglicherweise bis zu der Entscheidung aus der Haft entlassen werden könnte. Nach der Interpretation des Bremer Innensenators ist das offenbar nicht der Fall.

Zuständig für den Asylantrag von Ibrahim M. ist das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in Nürnberg. Die Behörde erklärte auf Anfrage, dass M. womöglich nicht lange warten müsse. "Im vorliegenden Asylantrag werden wir mit der gebotenen Beschleunigung prüfen", sagte ein Sprecher.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die Abschiebung von M. im Juli als "spektakulären Erfolg" gewertet. M. war bereits seit 2006 ausreisepflichtig. Doch bereits nach vier Monaten war er in Bremen zurück. Laut Erkenntnissen der Bremer Behörden reiste er illegal ein. Am Mittwoch tauchte er im Beisein seines Anwalts Albert Timmer in einer Außenstelle des Bamf auf, um einen Asylantrag zu stellen. M. habe nach seiner Einreise bei der Staatsanwaltschaft eine Selbstanzeige wegen fehlenden Passes und Visums erstattet, schreibt Timmer in einer Erklärung, die ZEIT ONLINE vorliegt.

Das Amtsgericht Bremen hat am Mittwoch dem Antrag der Bremer Innenbehörde zugestimmt und M. in die Abschiebehaft verlegt. Es sieht also Fluchtgefahr.

Abschiebung kostete 60.000 Euro

Nach Angaben der Behörde hat die Abschiebung des Clanchefs bereits Kosten in Höhe von 60.000 Euro verursacht. M. klagt gegen den Innensenator, weil die Abschiebung unangekündigt und in einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" erfolgt sei. Polizisten sollen ihn dabei zudem "menschenrechtswidrig" behandelt haben.

M. gibt an, am 7. Juli aus dem Schlaf gerissen worden sein. Ein Spezialeinsatzkommando habe ihm dann Ohrenstöpsel in die Ohren gedrückt und eine Art Kopfhörer aufgesetzt. Er habe bis kurz vor der Landung in Beirut nichts mehr mitbekommen. Bis zu dem Zeitpunkt habe er nicht einmal gewusst, wohin er gebracht werde. M. habe nicht die Möglichkeit gehabt, in einem Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht Bremen sein Recht geltend zu machen, sagt sein Anwalt. Der Innensenat entgegnet dem, dass der Termin zur Abschiebung nicht angekündigt werden durfte.

Nach der Abschiebung in den Libanon kam M. seinem Anwalt zufolge für kurze Zeit in Haft, wurde dann aber freigelassen, da gegen ihn im Land nichts vorliege. Den Antrag auf Asyl in Deutschland habe M. nun gestellt, weil er im Libanon aus Kreisen von Hisbollah-Milizen Todesdrohungen erhalte. Hintergrund sei ein "Blutrachekonflikt", der mehrere Jahre zurückliege und den Bremer Behörden lange bekannt sei.

Ibrahim M. wurde 2014 wegen bandenmäßigen Drogenhandels zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilt. Ende 2018 kam er auf Bewährung frei. Er kam als 13-Jähriger nach Deutschland. Laut einer Informationsstelle der Polizei Bremen zählen zu den Mhallami (zu denen auch Ibrahim M. gehört) in Bremen etwa 3.500 Personen, wovon etwa 1.800 bereits polizeilich in Erscheinung getreten sind. Demnach geht es um Straftaten vom Ladendiebstahl bis zum Tötungsdelikt. Allerdings heiße das nicht, dass auch alle 1.800 Personen verurteilt worden seien.