Nach einem Raserunfall mit zwei Toten in der Stuttgarter Innenstadt ist ein junger Mann zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Das Landgericht sprach den 21-Jährigen wegen verbotenen Autorennens mit Todesfolge schuldig. "Dass Sie ein Mörder sind, konnten wir nicht feststellen", sagte die Richterin. Angeklagt war der junge Mann ursprünglich wegen Mordes.

Der 21-Jährige hatte im März bei hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über einen gemieteten Sportwagen verloren. Das Fahrzeug war gegen einen stehenden Kleinwagen geprallt, in dessen Trümmern eine 22 Jahre alte Frau und ihr 25-jähriger Freund aus Nordrhein-Westfalen ums Leben kamen. Vor dem Zusammenstoß hatte der Wagen des jungen Mannes den Angaben eines Gutachters zufolge bis zu 165 Stundenkilometer auf dem Tacho.

Die Staatsanwaltschaft und zwei der drei Nebenkläger hatten eine Jugendstrafe wegen Mordes gefordert, der dritte Nebenkläger eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes nach Erwachsenenstrafrecht. Die Verteidigung wertete den fatalen Crash als fahrlässige Tötung und plädierte für eine Bewährungsstrafe.

Zuletzt hatte das Landgericht in Darmstadt in einer ähnlichen Ausgangskonstellation entscheiden. Es verurteilte einen 19 Jahre alten Raser zwar wegen Mordes, allerdings nach dem milderen Jugendstrafrecht. Der junge Mann, der bei einem Unfall auf einem Autobahnparkplatz in Hessen zwei Menschen totgefahren hatte, muss für sechs Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Eine rote Linie für eine Mordverurteilung in Raserfällen hat auch der Bundesgerichtshof nicht festgelegt. "Maßgeblich sind jeweils die Umstände des Einzelfalls", hatten die Karlsruher Richter geurteilt.

Für Aufsehen gesorgt hatte das Urteil im Fall um ein illegales und tödliches Autorennen auf dem Berliner Kurfürstendamm. Das Landgericht Berlin verurteilte zwei Männer wegen gemeinschaftlichen Mordes zu lebenslangen Freiheitsstrafen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Fahrer in ihren hochmotorisierten Autos den Tod eines 69-Jährigen billigend in Kauf nahmen. "Was geschah, hatte mit Fahrlässigkeit nichts zu tun", sagte der Vorsitzende Richter. "Die Angeklagten haben aus nichtigem Anlass mit dem Leben anderer Menschen gespielt." Die Raser seien selbstverliebt und rücksichtslos gewesen, ihre Fahrzeuge hätten sie förmlich vergöttert.