Die Türkei schiebt weiterhin mutmaßliche Islamisten nach Deutschland ab. Am Donnerstag landete bereits eine siebenköpfige Familie in Deutschland, die in der Türkei festgenommen worden war, es wohl aber nie bis zum "Islamischen Staat" (IS) geschafft hat. Im Lauf des Tages werden nun auch zwei Ehefrauen von Kämpfern der Terrormiliz abgeschoben.

Eine davon ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) eine 1998 geborene Frau, der es gelungen war, aus dem von Kurden bewachten Gefangenenlager Al-Hol in Syrien zu fliehen. Sie saß den Angaben zufolge zuletzt in der türkischen Stadt Gaziantep in Abschiebungsgewahrsam. Nach bisheriger Planung soll am Freitag auch eine gebürtige Hannoveranerin ins Flugzeug gesetzt werden, der es gelungen war, sich aus dem syrischen Gefangenenlager Ain Issa in Richtung Türkei abzusetzen.

Eine der beiden Frauen sei schon länger in Kontakt mit der Deradikalisierungsberatungsstelle Hayat, teilte Leiterin Claudia Dantschke auf Anfrage mit. Die Organisation berät zum Beispiel Menschen, deren Angehörige sich islamistisch radikalisieren, arbeitet nach eigenen Angaben auf der Webseite aber auch direkt mit Menschen, "die mit dem militanten Dschihadismus brechen und gewalttätige Gruppen verlassen wollen".

Noch immer zahlreiche Deutsche in der Region

Unklar ist, welche Gefahr von den Rückkehrerinnen und Rückkehrern ausgeht. Die Familie, die am Donnerstag am Berliner Flughafen Tegel landete, wird dem salafistischen Milieu in Hildesheim zugerechnet. Das türkische Innenministerium bezeichnete sie als "ausländische Terroristenkämpfer". Haftbefehle wegen islamistischer Umtriebe liegen gegen die Familienmitglieder in Deutschland nicht vor. Allerdings droht dem Vater womöglich wegen anderer krimineller Machenschaften Strafverfolgung.

Nach der Landung sollte die Familie nach Angaben aus Sicherheitskreisen Vertreter mehrerer Behörden treffen und auch befragt werden. Wie es danach weitergeht, war zunächst offen. Die Bundespolizei wollte Einreisekontrollen vornehmen und etwa prüfen, ob die Familie gültige Papiere hat.

Die Türkei war Anfang Oktober in Nordsyrien einmarschiert und geht gegen die Kurdenmiliz YPG vor. Die von der YPG geführten Syrischen Demokratischen Kräfte SDF bewachen in Nordsyrien immer noch Tausende IS-Gefangene.

Die türkische Seite hatte diese Woche auch ein Interesse an einer raschen Abschiebung von zwei deutschen Konvertitinnen bekundet, die sich dem IS angeschlossen haben sollen. Einen konkreten Termin für die Rückführung der beiden Frauen, eine Hamburgerin mit zwei Kindern und eine Frau mit drei Kindern aus Rheinland-Pfalz, gibt es laut dpa bislang nicht.

Es ist unklar, wie viele Deutsche sich noch in der Region befinden. Ausgegangen wird von derzeit 133 Männern und Frauen aus Deutschland, die sich derzeit in Syrien, dem Irak oder der Türkei befinden. Von ihnen haben 95 einen deutschen Pass. Von diesen 95 halten sich 81 in Syrien auf, das bedeutet: Sie sitzen in kurdischen Lagern oder Gefängnissen. Gegen 26 von ihnen bestehen in Deutschland Haftbefehle.