An der Universität Osnabrück soll einem Zeitungsbericht zufolge ein Pilotprojekt zur Ausbildung von Imamen in Deutschland aufgenommen werden. Das berichtet die Neue Osnabrücker Zeitung. Demzufolge ist vorgesehen, in einem Trägerverein islamische Theologen, Einzelvertreter und Islamverbände zusammenzuführen. Das sogenannte Islamkolleg soll nach Angaben der Hochschule eigenständig sein und nicht in der Verantwortung der Universität oder des Instituts für Islamische Theologie liegen. Allerdings werde die Uni dem Projekt beratend zur Seite stehen, so Universitätspräsidentin Susanne Menzel-Riedl.

Wie die Zeitung unter Berufung auf einen Sprecher des Bundesinnenministeriums schrieb, ist auch eine Förderung durch die Bundesregierung im Gespräch. Demnach steht das Innenministerium in der Angelegenheit in Kontakt mit islamischen Verbänden und der Universität. Im Bundeshaushalt für 2020 sei ein zusätzlicher Posten zur Unterstützung eines "Modellprojekts zur Ausbildung religiösen Personals islamischer Gemeinden" eingerichtet worden, hieß es. Allerdings hänge die Förderung von einer Reihe von Faktoren ab – unter anderem von der Gründung des Trägervereins und dem entsprechenden Projektantrag.

Der niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Björn Thümler (CDU), nannte das Pilotprojekt in der NOZ einen "mutigen und konsequenten Schritt in die richtige Richtung". Das Land unterstütze einen entsprechenden Trägerverein für die Ausbildung von Imamen. Inwiefern sich das Land an der Förderung beteiligt, ist allerdings noch unklar. Ob über den Trägerverein hinaus "eine anteilige Finanzierung des Projektes erforderlich und umsetzbar ist, wird zu gegebener Zeit zu entscheiden sein", so Thümler.  

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, begrüßte das Vorhaben in der NOZ ebenfalls. "Für uns war es immer ein großes Anliegen, dass Imame in Deutschland ausgebildet werden können", so Mazyek. Vorbild könne dabei die Priester- und Rabbinerausbildung für christliche und jüdische Gemeinden sein. Es sei wünschenswert, dass das Projekt, das nun in Osnabrück anlaufe, andernorts modellartig übernommen werde. 

"Starke Signalwirkung für muslimisches Leben in Deutschland"

Auch die Grünen signalisierten Zustimmung: "Das ist ein Paradigmenwechsel in der deutschen Islampolitik", sagte deren Obfrau im Innenausschuss, Filiz Polat. Die Abgeordnete lobte die "starke Signalwirkung für muslimisches Leben in Deutschland". Durch die Ausbildung von Imamen würden die Geistlichen finanziell und strukturell unabhängig von anderen Staaten wie der Türkei.

Die FDP zeigte sich ebenfall zustimmend. Es handele sich um einen wichtigen Beitrag zur Integration. "Es ist wichtig, eine Ausbildung von Imamen in Deutschland zu etablieren. Das Islamkolleg ist dafür ein guter erster Schritt", sagte der religionspolitische Sprecher Stefan Ruppert. Es sei wichtig zu wissen, woher die in Deutschland predigenden Imame stammen und wo sie ausgebildet wurden.

Einer der beiden größten Islamverbände Niedersachsens, der türkisch-islamische Dachverband Ditib, äußerte sich dagegen kritisch zu den Plänen. "Es ist nicht Aufgabe des Staates, Imame auszubilden, sondern Aufgabe der Religionsgemeinschaften", sagte der Vorsitzende von Ditib Niedersachsen und Bremen, Ali Ünlü. Er verwies darauf, dass Imame in der Türkei in ihre Aufgabe hineinwüchsen.

Verdacht der Einflussnahme durch ausländische Imame

In Deutschland gibt es nach Schätzungen zwischen 2.300 und 2.500 Moscheegemeinden. Die Mehrheit ihrer Imame stammt aus den islamischen Herkunftsländern und wird von dort finanziert. Wegen des Verdachts der politischen Einflussnahme gab es in der Vergangenheit immer wieder Forderungen, Imame künftig in Deutschland auszubilden.

Wegen der Nähe zum türkischen Staat und zur Regierung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan wird vor allem Ditib kritisiert. Dem Verband wird unter anderem vorgeworfen, durch eine nationalistische Ausrichtung die Integration von Türken in Deutschland zu behindern. 

Ditib ist zwar formal ein unabhängiger deutscher Verein, doch werden die Imame in den Ditib-Moscheen von der Religionsbehörde Diyanet aus der Türkei entsandt und von dort bezahlt. Politikerinnen in Bund und Ländern fordern deshalb eine Loslösung von der türkischen Regierung sowie Diyanet und haben die Kooperation mit dem Verband nahezu vollständig ausgesetzt. Mit 1.000 Moscheegemeinden und mehr als 100 Kulturvereinen ist die Ditib der größte islamische Dachverband in Deutschland.