Großbritannien - Mehrere Verletzte bei Messerangriff in London Auf einer zentralen Brücke in London hat ein Mann Menschen mit einem Messer angegriffen, die Polizei geht von einem Terrorakt aus. Der mutmaßliche Täter wurde erschossen. © Foto: Kirsty O'connor/dpa

Bei einem Messerangriff in London sind neben dem Angreifer zwei Menschen getötet worden. Das teilte die Polizeichefin der britischen Hauptstadt, Cressida Dick, mit. Drei weitere Verletzte würden in Krankenhäusern behandelt. Den Angreifer erschoss die Polizei am Freitagnachmittag in der Nähe der London Bridge.

Die Polizei geht von einem Terrorakt aus. Hintergrunde sind noch nicht bekannt. Der mutmaßliche Täter trug eine vermeintliche Sprengstoffweste, die sich als Attrappe herausstellte. Polizeichefin Dick schwieg zunächst dazu, ob der Angreifer der Polizei bekannt war oder nicht. "Es handelt sich um eine schnell voranschreitende, laufende Ermittlung", sagte sie. Londons Bürgermeister Sadiq Khan sagte, es handele sich offensichtlich um einen einzelnen Täter und es werde nach niemandem mehr gesucht. 

Die britische Nachrichtenagentur Press Association (PA) berichtete am Abend unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass der Mann Verbindungen zu "islamistischen terroristischen Vereinigungen" hatte und der Polizei bekannt war. Auch die Times meldete, der mutmaßliche Attentäter sei in der Vergangenheit wegen eines Vergehens im Zusammenhang mit islamistischem Terrorismus verurteilt worden und berief sich auf Regierungskreise. Er sei vor etwa einem Jahr aus dem Gefängnis entlassen worden, nachdem er zugestimmt habe, eine elektronische Fußfessel zu tragen, berichtete die Times.

Der Angriff ereignete sich kurz nach 14 Uhr Ortszeit (15 Uhr mitteleuropäischer Zeit) auf der London Bridge im Zentrum der Stadt. Passanten haben versucht, den Angreifer zu stoppen, als dieser zustach, und waren in eine Rangelei mit ihm verwickelt, sagte der Chef der britischen Antiterrorpolizei, Neil Basu, bei einer Pressekonferenz am Abend.

In den sozialen Medien kursierte ein Video, das zwei auf der Brücke kämpfende Männer zeigt, bevor Polizisten einen Mann in Zivilkleidung von einem schwarz gekleideten Mann fortziehen. Ein Mann, der dem Angreifer offenbar ein Messer entwenden konnte, bringt es außer Reichweite. Die Polizei rief Zeugen dazu auf, Hinweise und Videos vom Tathergang einzureichen.

Bürgermeister und Premier würdigen Zivilcourage

In den nächsten Tagen würden verstärkt unbewaffnete und bewaffnete Polizisten in London patrouillieren, um besorgten Bürgern ein Gefühl der Sicherheit zu geben, sagte Polizeichefin Cressida Dick. Sie dankte den Einsatz- und Rettungskräften sowie den Passanten, die versucht hatten, den Angreifer zu stoppen.

"Was bemerkenswert ist an den Bildern, die wir gesehen haben, ist die atemberaubende Heldenhaftigkeit von Passanten, die buchstäblich der Gefahr entgegengerannt sind", sagte auch Bürgermeister Khan und rief die Bürger zur Wachsamkeit auf. "Wir werden geeint und entschlossen angesichts des Terrors bleiben. Diejenigen, die uns angreifen und spalten wollen, werden keinen Erfolg haben." Premierminister Boris Johnson dankte den Einsatzkräften per Twitter für ihre "unverzügliche Reaktion".

Die britische Regierung kündigte für Freitagabend ein Treffen des Krisenstabs Cobra an. Das Treffen sollte um 21.30 Uhr (22.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit) unter der Leitung von Premierminister Boris Johnson beginnen.

Die Brücke, eine wichtige Verbindung über die Themse im Zentrum Londons, wurde für den Verkehr gesperrt, Passanten von Polizisten am nördlichen Ende weggeschickt. Auf der Brücke stand ein weißer Lkw quer; Polizisten richteten ihre Waffen darauf, bevor sie dessen Container untersuchten. Ob der Lkw eine Rolle bei dem Angriff spielte, ist nicht bekannt.

Die London Bridge war schon einmal Tatort eines Terrorangriffs. Im Juni 2017 waren drei Attentäter auf der London Bridge mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge gerast, anschließend stachen sie im angrenzenden Ausgehviertel rund um den Borough Market wahllos auf Menschen ein. Acht Menschen starben, 48 weitere wurden verletzt. Die Polizei erschoss die drei Attentäter. Im März 2017 hat ein Angreifer auf der Westminster Bridge vier Menschen überfahren und einen Polizisten erstochen. Er wurde von Polizisten erschossen.

In den Niederlanden ereignete sich am Freitag ebenfalls ein Messerangriff. In einem Kaufhaus in Den Haag wurden nach Angaben der niederländischen Polizei drei Minderjährige verletzt, nach dem flüchtigen Angreifer werde gefahndet, so die Polizei am Abend in Den Haag. Die Hintergründe der Tat blieben zunächst offen. Nach einem Bericht der niederländischen Nachrichtenagentur ANP wurde jedoch zunächst nicht von einem "terroristischen Motiv" ausgegangen.