Nach Einschätzung des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) sterben mehr afrikanische Migranten auf den Routen zur Küste als bei den Fahrten über das Mittelmeer. "Wir gehen davon aus, dass vermutlich mindestens doppelt so viele Menschen auf dem Weg zum Mittelmeer sterben als im Mittelmeer selbst", sagte der Sondergesandte des UNHCR für das Mittelmeer und Libyen, Vincent Cochetel, der Welt am Sonntag.

Wie das UNHCR weist laut dem Bericht  auch die Internationale Organisation für Migration (IOM) auf eine hohe Dunkelziffer hin. Die vorhandenen Daten zu verstorbenen Migranten seien nicht belastbar. Als Haupttodesursachen auf den Landrouten für 2018 nennt die IOM Verkehrsunglücke, gefolgt von Verdursten, Gewalttaten, Verhungern und Krankheiten.

Im Oktober hat das UN-Flüchtlingshilfswerk mitgeteilt, dass bei der Flucht über das Mittelmeer in diesem Jahr bereits mehr als 1.000 Menschen ertrunken seien. 2018 hat es 2.277 Tote und Vermisste gezählt. Für den Zeitraum von 2014 bis Ende Oktober 2019 hat die IOM insgesamt 19.005 Tote im Mittelmeer sowie 4.463 weitere in Nordafrika registriert.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sagte dem Blatt: "Wir warnen die Migranten vor der gefährlichen Schleppertour durch die Wüste und verstärken in ihren Herkunftsländern unsere Unterstützung, um ihnen eine Lebensperspektive zu geben." Dies bedeute vor allem Bildung, Ausbildung und Arbeit.