Zwei Gefängniswärter von US-Multimillionär Jeffrey Epstein sind in New York wegen Dokumentenfälschung angeklagt worden. Sie sollen nicht, wie vorgeschrieben, jede halbe Stunde Epsteins Zelle kontrolliert haben, wo der inhaftierte mutmaßliche Sexualstraftäter anschließend tot aufgefunden worden ist, hieß es in der Anklageschrift. Demnach sollen die Wärter nachträglich ihr Aufsichtsprotokoll gefälscht haben, um ihr Versäumnis zu verheimlichen.

Laut der Staatsanwaltschaft saßen die beiden Wärter im Aufenthaltsraum, surften im Internet und schliefen zwei Stunden lang, während sie eigentlich für die Wachpatrouille im Hochsicherheitstrakt des Metropolitan Correctional Centers in New York eingeteilt waren. Zwischen 22.30 und 06.30 Uhr habe laut Bundesanwalt Geoffrey Berman kein Kontrollgang stattgefunden. Beide Wärter hatten in der Todesnacht Epsteins Überstunden wegen Personalmangels geleistet, einem Zustand, der in vielen US-Gefängnissen chronisch sein soll. Auch die nachträgliche Fälschung von Überwachungsprotokollen gilt in der US-Justiz als weit verbreitet.   

Der in prominenten Kreisen sehr gut vernetzte Epstein soll jahrelang minderjährige Mädchen und Frauen sexuell missbraucht und zur Prostitution gezwungen haben. Mehrere Frauen warfen ihm vor, sie als "Sexsklavinnen" an Freunde und Bekannte vermittelt zu haben. Bei einer Verurteilung hätte Epstein eine Haftstrafe von bis zu 45 Jahren gedroht, einige Wochen nach seiner Unterbringung in Untersuchungshaft wurde er tot in seiner Zelle aufgefunden. Laut Autopsie nahm er sich selbst das Leben; schon kurz nach der Verhaftung hatte es einen Selbstmordversuch gegeben, weswegen Epsteins Zustand anschließend alle 30 Minuten hätte geprüft werden sollen.

Tod Epsteins löste Verschwörungstheorien aus

Ein von Epsteins Bruder angeheuerter Pathologe zweifelte diesen Befund jedoch an und äußerte Ende Oktober die Vermutung, Epstein sei in seiner Zelle ermordet worden. Aufgrund guter Kontakte zu zahlreichen Politikern, unter anderem US-Präsident Donald Trump, Bill Clinton und dem britischen Prinzen Andrew, hatte es schon vor der Aussage des Pathologen Verschwörungstheorien gegeben, denen zufolge Epstein ermordet worden sei. Damit solle verhindert worden sein, dass in einem Prozess bekannte Persönlichkeiten als Kunden seines Missbrauchsrings entlarvt werden. Entsprechende Spekulationen hat es bereits vor Epsteins mutmaßlichem Suizid gegeben.

Auch gegen Prinz Andrew hat es seit der Festnahme Epsteins Vorwürfe des Kindesmissbrauchs gegeben. In einem Fernsehinterview wies er dies vor einigen Tagen zurück, britische Medien hatten ihn anschließend wegen eines wenig überzeugenden Auftritts kritisiert und ihm mangelnde Empathie gegenüber Epsteins mutmaßlichen Opfern vorgeworfen. Anschließend verlor Andrew mit der Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG einen wichtigen Sponsoren und könnte nun als Kanzler einer britischen Universität abgelöst werden.