Im sächsischen Zwickau erinnern seit diesem Sonntag zehn Bäume und Gedenktafeln an die Mordopfer der Neonazi-Terrorzelle NSU. "Wir zeigen, dass der NSU ein Teil der Zwickauer Geschichte ist", sagte Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) zur Einweihung des Gedenkortes. Die Bäume und die Gedenktafeln mit den Namen der zehn Opfer seien zugleich ein Zeichen der Hoffnung und eine Mahnung, sich für Demokratie und Toleranz einzusetzen.

Die Einweihungsfeier wurde von der Initiative "Tribunal NSU-Komplex auflösen" kritisiert. Angehörige und Überlebende seien nicht eingeladen worden. "Bei einem Gedenken an Opfer rassistischer Gewalt müssen die Perspektiven der Betroffenen im Mittelpunkt stehen", sagte der Sprecher der Initiative, Tim Klodzko. Außerdem wurden einige Namen der Opfer auf Gedenktafeln nicht korrekt geschrieben.

Für einen Konflikt sorgte während der Einweihung auch ein Blumenkranz der Zwickauer AfD, der am neuen Gedenkbaum für Enver Şimşek, das erste Opfer des NSU, abgelegt wurde. In der Folge kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen einigen Teilnehmern und der Polizei, nachdem eine junge Frau offenbar den Kranz beschädigt hatte. Umstehende verteidigten die Frau und argumentierten, Blumen von einer Partei, die selbst rechtes Gedankengut verbreite, seien eine weitere Verhöhnung der Opfer. Die Polizei hingegen wertete das Geschehen als Sachbeschädigung.

Der NSU hatte jahrelang unerkannt in Zwickau im Untergrund gelebt. Die Terrorzelle, zu der Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe gehörten, wird für neun Morde an Migranten, die Tötung einer Polizistin sowie für zwei Sprengstoffanschläge und diverse Raubüberfälle verantwortlich gemacht.

Auf einigen Gedenksteinen sind Namen nicht korrekt geschrieben, wie hier bei dem vierten Opfer des NSU, Habil Kiliç. © Peter Endig/​dpa

Anfang Oktober war ein Gedenkbaum für Şimşek von Unbekannten abgesägt worden. Die Tat hatte bundesweit für Empörung gesorgt.