Nach öffentlichem Druck hat der Onlinebezahldienst PayPal offenbar Überweisungen an das rechtsextreme Bündnis Pro Chemnitz eingestellt. Wer die Spendenseite der Gruppe aufruft, erhält derzeit nur noch eine Fehlermeldung: "Der Empfänger ist gerade nicht in der Lage, Geld zu erhalten." PayPal selbst wollte die Meldung auf Anfrage nicht kommentieren und berief sich auf Datenschutzregeln am Unternehmenssitz in Luxemburg.

Zuvor hatte die internationale Kampagnenorganisation SumOfUs eine an PayPal gerichtete Unterschriftenaktion gestartet. Mehr als 100.000 Menschen haben unter dem Motto "Keine Zusammenarbeit mit Neonazis" unterzeichnet. "Wir freuen uns, dass sich PayPal endlich zu seiner eigenen Firmenphilosophie bekennt", sagte Christian Bock, der die Kampagne leitete. Leider habe das mehr als sechs Monate gedauert: "Wir würden uns wünschen, dass solche Gruppen in Zukunft schneller blockiert werden."

PayPal hat sich in seinen Richtlinien zwar dazu verpflichtet, nicht mit Personen, Unternehmen oder Gruppen zu arbeiten, die "Hass, Gewalt, rassistische oder anders motivierte Intoleranz" fördern. Dennoch finanzieren sich rechte Organisationen immer wieder ungestört über den Bezahldienst.

Erst auf öffentlichen Druck scheint der Dienst zu reagieren: 2017 hatte SumOfUs eine ähnliche Kampagne gegen die Identitären gestartet, die mit einem eigenen Boot Hilfsorganisationen auf dem Mittelmeer behindern wollten. Mit Erfolg: Das Konto wurde kurze Zeit später gesperrt. 2018 sperrte PayPal nach einer Unterschriftenkampagne auch das Konto von Tommy Robinson, der in Großbritannien die rechtsextreme English Defence League gegründet hatte.

Pro Chemnitz wird seit Ende 2018 vom sächsischen Verfassungsschutz beobachtet. Nach dessen Einschätzung ist das Bündnis "tief in der rechtsextremistischen Szene verwurzelt". Bundesweit wurde Pro Chemnitz nach gewalttätigen Ausschreitungen Ende August 2018 bekannt. Das Bündnis hatte nach einem tödlichen Messerangriff in Chemnitz zu "Trauermärschen" aufgerufen. Tausende Neonazis reisten dafür an, einige zeigten den Hitlergruß und brüllten "Ausländer raus". Es kam zu tumultartigen Szenen, Protestierende griffen Polizisten und Gegendemonstrantinnen an, eine Videoaufnahme zeigt eine rassistische Hetzjagd.

Bei der Kommunalwahl im Mai wurde Pro Chemnitz mit knapp acht Prozent in den Stadtrat gewählt und erhielt dort fünf Sitze.