In Hannover haben nach Veranstalterangaben rund 7.000 Menschen gegen eine pressefeindliche Kundgebung der NPD demonstriert. Zu den Gegenprotesten unter dem Motto "bunt statt braun" war auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) gekommen. Innenminister Boris Pistorius (SPD) hielt eine Rede und sagte, es sei wunderbar, "dass wir alle zusammenstehen gegen die rechten Hetzer und Verfassungsfeinde". Die Gefahr sei, dass Demokratie von unten sterbe, wenn Journalisten an den Pranger gestellt und bedroht werden, sagte er: "Wir treten heute gegen die Nazis an, nicht nur in der NPD, sondern auch in anderen Pareien."

Auch Hannovers neu gewählter Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) zählte zu den Rednern.  "Wir senden eine klare Botschaft aus: Hannover ist bunt statt braun. Wir stehen an der Seite der Journalistinnen und Journalisten", sagte er. Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus hätten in Hannover keinen Platz. "Das Wichtigste ist: Wir sind mehr", sagte Onay.

Die Protestaktionen gegen den NPD-Aufmarsch verliefen nach Polizeiangaben weitgehend friedlich. Mehrere Demonstranten, die versuchten, Absperrungen entlang der Demonstrationsroute der NPD zu durchbrechen, seien zurückgedrängt worden. Dabei gab es vier Festnahmen.

An der NPD-Veranstaltung nahmen nach Polizeiangaben gut 100 Menschen teil. Die Polizeidirektion hatte die Veranstaltung unter Verweis auf eine unmittelbare Gefährdung für die öffentliche Sicherheit zunächst verboten. Die NPD legte mit Erfolg Klage ein: Das Verwaltungsgericht und in zweiter Instanz auch das Oberverwaltungsgericht hoben das Verbot auf. Ein Totalverbot der Demo sei nicht verhältnismäßig, urteilten sie.

"Unwürdiger Aufmarsch"

Weil hatte vorab auf Twitter geschrieben, er hoffe, "dass diejenigen, die für kritischen Journalismus, für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und für die Pressefreiheit heute unter dem Motto 'bunt statt braun' friedlich auf die Straße gehen, deutlich zeigen werden: Wir sind mehr". Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) twitterte, in Hannover lasse sich sehen, "was deutschlandweit gilt: Die Neonazis und Angstmacher, die gegen JournalistInnen hetzen, sind in der Minderheit". Sein Dank gehe an alle, die friedlich gegen diesen "unwürdigen Aufmarsch" protestierten.

Der Protest der rechtsextremen Kleinpartei richtete sich im Ursprung gegen die drei freien Journalisten Julian Feldmann, David Janzen und André Aden. Wegen ihrer Recherchen in der rechten Szene erhalten sie seit Jahren regelmäßig Morddrohungen. In ihrem Demonstrationsaufruf im Internet führt die NPD Niedersachsen insgesamt zehn Journalisten namentlich auf. Zahlreiche Verbände, Redaktionen und Journalisten solidarisierten sich in einem gemeinsamen Aufruf mit den von der NPD angegangenen Kollegen.