Der Kindesmissbrauchsfalls von Bergisch Gladbach nimmt nach Erkenntnissen der Ermittler immer größere Dimensionen an. Nach Angaben von Landesinnenminister Herbert Reul (CDU) ermitteln inzwischen 153 Beamte unter Einsatzführung des Polizeipräsidiums Köln in dem Fall. Demnach stehen nun sechs Tatverdächtige namentlich fest, bei Durchsuchungen in neun Wohnungen wurden mindestens zehn Terabyte an Daten sichergestellt.

Das "beweiserhebliche, kinderpornografische Material" war Ende Oktober bei der Durchsuchung sichergestellt worden. Die Daten führten die Ermittler dann zu weiteren Verdächtigen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Köln wurden auf dem Handy eines Festgenommenen Chatgruppen gefunden, in denen bis zu 1.800 Mitglieder kinderpornografische Inhalte austauschten.

Bei den Opfern handelt es sich um Kinder im Alter zwischen einem und zehn Jahren. Sie sollen von ihren eigenen Vätern missbraucht und von ihnen auch an andere Männer weitergereicht worden sein. Es gebe "sehr deutliche Hinweise" darauf, "dass sich mindestens zwei der beschuldigten Männer die eigenen Kinder gegenseitig zugeführt haben", sagte der zuständige Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer dem Spiegel. Wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet, geht dies aus Aussagen eines Verdächtigen hervor.

"Wie eine Krake in weite Bereiche"

Für Polizeiseelsorger Dietrich Bredt-Dehnen ist das Ausmaß keine Überraschung. "Ich habe mich nicht gewundert", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Wir wissen aus vergangenen Ermittlungen, dass solche Verfahren sich wie eine Krake in weite Bereiche hineinziehen. Wir sehen immer nur die Spitze des Eisbergs." Bredt-Dehnen ist Leiter der evangelischen Seelsorge am Landeskriminalamt (LKA) NRW und betreut seit neun Jahren Beamte, die im Bereich Kinderpornografie ermitteln und mit schwerer sexualisierter Gewalt an Kindern konfrontiert sind.

Bredt-Dehmen zufolge gibt es dabei nicht nur im Darknet, sondern auch im frei zugänglichen Internet viele Foren, die auf den ersten Blick gar nichts mit Kinderpornografie zu tun haben, sondern etwa harmlose Bilder von Kindern beim Turnen oder Schwimmwettbewerben zeigen. Mit entsprechenden Formulierungen verständige sich die Szene untereinander, erkennen sich und vernetze sich dann weiter. "Wir haben es mit einem massenhaften Problem zu tun, das alle Milieus unserer Gesellschaft betrifft", sagte der Experte. "Und wir haben noch nicht genügend technische Möglichkeiten, das wirklich in den Griff zu bekommen."