Darmstadt ist von allen deutschen Städten am besten für die Zukunft gerüstet, Berlin besonders dynamisch. München steht am besten da, Wolfsburg und Ingolstadt bekommen dagegen die Krise der deutschen Autoindustrie zu spüren. Das sind Ergebnisse des diesjährigen Städterankings des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftswoche und dem Internetportal Immobilienscout24.

Aufgestiegen in der Rangliste ist die mittelfränkischen Metropolregion Nürnberg mit Erlangen und Fürth. "Auch Leipzig und Jena entwickeln sich erfreulich im Gegensatz zu den Autostandorten", sagte Thomas Schroeter, Geschäftsführer von Immobilienscout24.

Besonders zukunftsfähig ist der Analyse zufolge weiterhin Darmstadt. "Die südhessische Stadt ist Sitz einer großen Anzahl erfolgreicher und hochinnovativer Unternehmen", sagt Hanno Kempermann von IW Consult. Dazu zählt unter anderem der Pharma- und Chemiekonzern Merck. Das Unternehmen beschäftigt rund 11.000 Mitarbeiter in Darmstadt und engagiert sich in Forschungskooperationen vor Ort. Auf den weiteren Plätzen folgen München, Erlangen, Stuttgart und Jena.

Für das jährliche Städteranking vergleicht die Gesellschaft IW Consult des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft die aktuelle Lage, Veränderungsraten bestimmter Indikatoren (Dynamik) sowie Zukunftsperspektiven kreisfreier Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Analysiert werden Faktoren wie Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt, Immobilien, Forschungsstärke, Zukunftsindustrien und Lebensqualität.

Berlin ist die dynamischste Stadt Deutschlands

In der Kategorie "Dynamik" erreicht Berlin zum ersten Mal Platz eins. Vor allem auf dem Arbeits- und Immobilienmarkt sei das Tempo deutlich gestiegen, heißt es in der Untersuchung, die die Entwicklung der 71 kreisfreien deutschen Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern vergleicht. Von 2012 bis 2017 seien rund 250.000 Menschen mehr nach Berlin gezogen als abgewandert. Auf Rang zwei landete München, gefolgt von Fürth. Ingolstadt und Wolfsburg – im Vorjahr noch unter den Top Ten – stürzen auf Platz 39 beziehungsweise 49 ab.

Auch im Bereich "aktuelle Lage" verloren die beiden Autostädte an Boden – wenn auch nicht so dramatisch. Ingolstadt rangiert auf Platz vier (Vorjahr: zwei) und Wolfsburg auf Rang sieben (fünf). Ein wesentlicher Grund: Die Steuerkraft der beiden Kommunen habe sich im Vergleich zu 2012, dem Jahr der Hochkonjunktur in der Autoindustrie, deutlich verschlechtert.

Ein neues wirtschaftliches Kraftzentrum ist aus Sicht der Studie in Mittelfranken um die Städte Erlangen, Nürnberg und Fürth entstanden. Die Region hatte einen harten Strukturwandel durchlebt. Konzerne wie Grundig oder Quelle, die in Fürth ansässig waren, existieren nicht mehr. Die frühe Konzentration auf Zukunftstechnologien wie Medizintechnik habe jedoch bei der Bewältigung des Wandels geholfen.

München auf Platz eins im Gesamtranking – seit sieben Jahren

Zum siebten Mal in Folge landet München auf Platz eins im Gesamtranking. Die einmalige Kombination aus hochleistungsfähiger Wissenschaft und wettbewerbsfähiger Wirtschaft wirke "wie ein Turbo für den Großraum München", erklärte Hanno Kempermann von IW Consult. Auf Spitzenreiter München folgen auf den Plätzen zwei und drei Erlangen und Stuttgart. Unter den ersten zehn befinden sich auch die Bankenmetropole Frankfurt sowie Hamburg, Regensburg, Würzburg und Ulm. 

Am unteren Ende der Tabelle verharren Bremerhaven (Rang 69) sowie die Ruhrgebietsstädte Herne (70) und Gelsenkirchen (71). Großstädte des Ruhrgebiets bilden seit Jahren die Schlusslichter des Städterankings. Dennoch sieht Kempermann Chancen für die Region. Als Gründe nennt er unter anderem den vergleichsweise günstigen Wohnraum, kulturelle Offenheit, eine dichte Besiedlung, spezialisierte Fachkräfte, Universitäten und Forschungsinstitute sowie Flughäfen.