Ein UN-Sonderberichterstatter hat sich besorgt über den Gesundheitszustand von Julian Assange geäußert. Der inhaftierte Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks habe schon im Mai typische Anzeichen von "psychologischer Folter" gezeigt, schrieb der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen zum Thema Folter, Nils Melzer. Assanges Leben sei in Gefahr.

Assange sitzt in Großbritannien eine fast einjährige Haftstrafe wegen des Verstoßes gegen Kautionsauflagen ab. Zuvor hatte er sich sieben Jahre lang in der ecuadorianischen Botschaft in London aufgehalten, um einer Verhaftung und Auslieferung nach Schweden wegen Vergewaltigungsvorwürfen aus dem Jahr 2010 zu entgehen. Nach dem Entzug des Botschaftsasyls war er im April festgenommen worden.

Bei seinem ersten Auftritt in der Öffentlichkeit seit seiner Verhaftung hatte der WikiLeaks-Gründer im Oktober vor Gericht die Bedingungen im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh beklagt. Er könne nicht auf seine Schriften zugreifen, und es sei "sehr schwierig" für ihn, "irgendetwas zu tun", während seine Gegner "unbegrenzte Ressourcen" zur Verfügung hätten, hatte er kritisiert.

Sonderberichterstatter fordert Freilassung

Die USA haben einen Auslieferungsantrag gestellt. Sie werfen Assange vor, geheimes Material von US-Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan veröffentlichen zu haben. Bei einer Verurteilung in allen Punkten drohen ihm 175 Jahre Haft.

Melzer beschuldigte die britischen Behörden, sich nicht um Assanges Gesundheitszustand zu kümmern. Er werde im Gefängnis isoliert und überwacht, was in solchen Fällen nicht nötig sei. Auch der UN-Sonderberichterstatter kritisierte, Assange habe keinen freien Zugang zu Dokumenten und Anwälten. Er verlangte dessen Freilassung und eine Ablehnung der Auslieferung.