Das Bundesinnenministerium stuft deutlich weniger Islamisten als "Gefährder" ein als noch 2018. Wie das Ministerium mitteilte, zählten die Behörden Anfang November im islamistischen Spektrum bundesweit 679 sogenannte Gefährder. Zum Vergleich: Im Juli 2018 beobachtete die Polizei noch 774 islamistische "Gefährder". Als "Gefährder" werden im Bereich der politisch motivierten Kriminalität Menschen bezeichnet, denen man schwere Gewalttaten bis hin zu Terroranschlägen zutraut.

Der Obmann der Union im Innenausschuss des Bundestages, Armin Schuster, ist der Ansicht, dass auch der seit dem Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz vor drei Jahren gestiegene Verfolgungsdruck "eine gewisse Wirkung zeigt".

Am 19. Dezember 2016 war der islamistische Terrorist Anis Amri mit einem Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gerast. Er tötete zwölf Menschen.

Die Polizei zeige radikalen Islamisten heute früher und öfter durch "Gefährder-Ansprachen", dass ihre Aktivitäten nicht unbeobachtet blieben, sagte Schuster. Auch Durchsuchungen und Festnahmen würden inzwischen in einem früheren Stadium angeordnet. Außerdem richteten die Behörden ihr Augenmerk nicht mehr nur auf Netzwerke und Gruppen, sondern auch auf radikale Islamisten, die vielleicht allein Anschläge verüben könnten.

In mehreren Bundesländern seien zudem Einheiten eingerichtet worden, die sich intensiv um die Abschiebung von "Gefährdern" bemühten. Aktuell laufen laut Schuster bundesweit mehr als 1.000 Ermittlungsverfahren im Bereich Islamismus: etwa 890 Verfahren in den Ländern und 150 beim Bundeskriminalamt.