George Zimmerman, der im Jahr 2012 in Florida den schwarzen Teenager Trayvon Martin getötet hatte, hat dessen Eltern auf Schadensersatz verklagt. Wie sein Anwalt Larry Klayman mitteilte, fordert Zimmerman mehr als 100 Millionen US-Dollar (90 Millionen Euro) Entschädigung. Der Hauptzeuge der Anklage in dem Prozess gegen Zimmerman sei ein "Betrüger" gewesen, der "Falschaussagen geliefert hat, um Zimmerman zu belasten", sagte Klayman. Die Eltern des Jungen, ihr Anwalt Ben Crump und weitere Personen hätten sich abgesprochen, um eine Zeugenaussage zugunsten des Teenagers zu bekommen.

Crump wies den Vorwurf als "unbegründet" zurück. Es handele sich um einen "schamlosen Versuch, aus dem Leben und der Trauer anderer Profit zu schlagen", sagte er. Zimmerman wolle "uns glauben machen, dass er ein unschuldiges Opfer einer tiefen Verschwörung ist", obwohl es keinerlei glaubwürdige Beweise gebe, "die diese haarsträubenden Behauptungen stützen", sagte der Anwalt. Die Klage entbehre jeder Logik.

Zimmerman war 2012 Mitglied einer Bürgerwehr. Nahe der Stadt Orlando in Florida erschoss er den damals 17-jährigen Martin, der unbewaffnet gewesen ist. Die genauen Umstände der Tötung sind unklar: Zimmerman plädierte auf Notwehr und sagte aus, Martin hätte ihn zuvor niedergestreckt. Ein Überwachungsvideo widersprach jedoch dieser Darstellung. Im Prozess gegen Zimmerman kam es 2013 zu einem Freispruch, von dem sich im Nachhinein einige Mitglieder des Geschworenengerichts distanzierten.

Bereits vor der aktuellen Schadensersatzklage hatte Zimmerman finanziell von dem Prozess gegen ihn profitiert. So sammelten zahlreiche Unterstützer des Schützen über die Plattform Kickstarter 300.000 US-Dollar für ihn. 2016 verkaufte er im Internet die bei der Tötung Martins verwendete Waffe an einen anonymen Käufer, der nach Angaben Zimmermans 250.000 US-Dollar für die Waffe, die "ein Stück amerikanischer Geschichte" sei, bezahlt hatte.

Die Tötung Martins löste eine landesweite Debatte über Waffenrechte und Rassismus aus. So basierte Zimmermans Freispruch teilweise auf dem umstrittenen stand-your-ground-Gesetz, das es Bürgern erlaubt, im Falle einer vermeintlichen Bedrohung oder beim vermeintlichen Beobachten einer Straftat gewaltsam einzuschreiten und dabei Gebrauch von der Waffe zu machen. Ob Zimmerman aus rassistischen Motiven gehandelt hat, ließ sich in der Verhandlung nicht feststellen. Dennoch kam es nach seinem Freispruch zu landesweiten Demonstrationen mit Hunderttausenden Teilnehmern, die von vielen als Vorläufer der Bürgerrechtsbewegung Black Lives Matter gesehen wird.