Bei Protesten von Migrantinnen und Migranten gegen die Überlastung im Registrierlager Vathy auf Samos ist es zu Ausschreitungen gekommen. Die Polizei wurde mit Steinen und Gegenständen beworfen, die Einsatzkräfte sollen daraufhin Tränengas eingesetzt haben, berichteten örtliche Medien. Außerdem soll ein Feuer gelegt worden sein. Eine rund 600 Meter vom Lager entfernte Schule sei wegen des Rauchs evakuiert worden.

Migranten fordern seit Tagen, dass sie zum griechischen Festland gebracht werden. Im Lager Vathy harren mehr als 7.500 Migrantinnen aus, darunter viele Minderjährige. Das Camp hat eine Aufnahmekapazität für nur 648 Menschen. Bereits im Oktober waren mehrere Menschen bei ähnlichen Ausschreitungen auf Samos verletzt worden.

Die Bürgermeister der Inseln im Osten der Ägäis warnen seit Monaten vor unkontrollierbaren Zuständen wegen der überfüllten Lager. Die konservative Regierung in Athen hat in den vergangenen Monaten mehr als 10.000 Migranten zum Festland gebracht. Der Flüchtlingszustrom aus der Türkei dauert jedoch an. Zurzeit leben rund um die Camps der Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos mehr als 41.000 Migrantinnen. Noch im April waren es nur 14.000 gewesen. 

Griechenland erwartet im kommenden Jahr rund 100.000 neue Migrantinnen und Migranten aus der Türkei, die vor allem auf den griechischen Inseln in der Ägäis ankommen werden. Der Beauftrage der griechischen Regierung für die Erstaufnahme von Flüchtlingen, Manos Logothetis, sprach am Mittwoch von einer Krise, die "deutlich kritischer" für Griechenland sei als 2015. Damals seien die Flüchtlinge in andere EU-Staaten weitergezogen. Diesmal blieben sie auf den Inseln.