In Malta haben Demonstrantinnen und Demonstranten den Amtssitz von Ministerpräsident Joseph Muscat gestürmt und den Regierungschef im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum Mord an der Journalistin Daphne Caruana Galizia zum sofortigen Rücktritt aufgefordert. Etwa 40 Aktivistinnen und Aktivisten mit Trommeln, Pfeifen, Fahnen und Megafonen überrumpelten die Sicherheitskräfte, drangen über einen Seiteneingang in das Gebäude in der Hauptstadt Valletta ein und blockierten den Zugang.

Angesichts der Enthüllungen zum nach zwei Jahren noch nicht aufgeklärten Mord an Daphne Caruana Galizia fordern die Demonstranten den sofortigen Rücktritt Muscats. Die Journalistin hatte zu Korruptionsverbindungen zwischen Regierung und Geschäftswelt im kleinsten EU-Land recherchiert und dabei verschiedene Regierungsmitglieder namentlich beschuldigt. Muscats Stabschef Keith Schembri und Tourismusminister Konrad Mizzi traten zurück, Wirtschaftsminister Chris Cardona lässt sein Amt ruhen. Auch Muscat hatte seinen Rücktritt als Partei- und Regierungschef angekündigt, allerdings ohne genaues Datum und frühestens für Mitte Januar.

Zugenommen hatte der Druck auf den Regierungschef, nachdem sein Stabschef Keith Schembri in dem Mordfall festgenommen, verhört und anschließend wieder freigelassen worden war. Schembri trat ab, beharrt aber auf seiner Unschuld. Er gehörte zu jenen Regierungsmitgliedern, auf die Caruana Galizias investigative Berichte abgezielt hatten.

Geschäftsmann soll Mord an Journalistin angeordnet haben

Die Familie der ermordeten Journalistin hatte in der vergangenen Woche rechtliche Schritte gegen Muscat eingeleitet. Er solle sich künftig aus den Ermittlungen heraushalten und seine eigene Beteiligung in dem Fall gerichtlich untersuchen lassen.

Muscat sagte bei der Ankündigung seines Rücktritts, neben den drei kurz nach dem Anschlag festgenommenen Verdächtigen gebe es nun jemanden, "der beschuldigt wird, die Hauptperson hinter dieser Ermordung zu sein". Dabei bezog er sich auf den prominenten maltesischen Geschäftsmann Yorgen Fenech. Dieser wurde wegen Mittäterschaft an dem Mord angeklagt. Er soll die Tat mit dem Sprengsatz an Caruana Galizias Auto organisiert und finanziert haben. Fenech hat sich als nicht schuldig bezeichnet. Ein Zeuge hatte Fenech vergangenen Mittwoch schwer belastet. Er sagte vor Gericht in Valletta aus, dass ihn Fenech beauftragt habe, Mörder zu finden, um die Journalistin zu töten. Dafür habe er ihm einen Umschlag mit 150.000 Euro Bargeld gegeben.

Daphne Caruana Galizia war am 16. Oktober 2017 getötet worden. Eine Bombe explodierte, als sie mit ihrem Auto von zu Hause losfahren wollte. Sie wurde 53 Jahre alt.