Tausende Menschen sind in Madrid anlässlich der dort stattfindenden 25. Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP25) für einen besseren Klimaschutz auf die Straße gegangen. An der Demonstration unter dem Motto "Die Welt ist angesichts der Klimakrise aufgewacht" beteiligte sich auch die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg. Zuvor hat sie mit rund 40 anderen Jugendlichen an einem Sitzstreik teilgenommen.

Der Demonstrationszug führte fünf Kilometer durch das Zentrum Madrids und verlief friedlich, ein großes Polizeiaufgebot samt Hubschraubern war im Einsatz. Aktivisten hielten Plakate mit Aufschriften wie "Ohne einen Planeten gibt es keine Zukunft" und "Politiker, die Erde stirbt" in die Höhe. Die Demonstration hatte auch künstlerisch anmutende Elemente: Ein Demonstrant hielt einen großen Globus mit einem Skelett hoch, andere trugen in einem Sarg symbolisch die Erde zu Grabe, manche waren als Insekten verkleidet. "2019 ist zweifellos das Jahr, in dem die Menschen mit Blick auf das Klima aufgewacht sind", sagte Pablo Chamorro, der Sprecher der Demonstranten. Auch der spanische Filmstar Javier Bardem nahm am Protestzug teil.

Kurz vor Beginn des Protests hat Thunberg bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit weiteren jugendlichen Klimaaktivisten aus Spanien und Uganda die Regierungen weltweit zu mehr Bemühungen beim Kampf gegen den Klimawandel aufgerufen. "Wir können es uns nicht leisten, länger zu warten", sagte die 16-Jährige. "Menschen leiden oder sterben wegen der Klimakrise."

"Halbe Gipfeltreffen können wir uns nicht leisten"

Die Stimmen der Klimaaktivisten werden zwar seit Beginn des von ihr initiierten "Schulstreiks für das Klima" mehr gehört. Konkrete Veränderungen seien dadurch aber noch nicht eingetreten: "Wir streiken seit mehr als einem Jahr, und es ist praktisch nichts passiert. Die Klimakrise wird von den Mächtigen noch immer ignoriert", kritisierte Thunberg. Zwar werde die COP26 im nächsten Jahr als wesentlich wichtigerer Klimagipfel als der diesjährige angesehen, weil dann gemäß dem Pariser Klimaabkommen ambitioniertere Ziele im Kampf gegen die Erderwärmung vorgelegt werden sollen. "Aber halbe Gipfeltreffen können wir uns gar nicht leisten, wir müssen jede Chance nutzen", sagte sie.

Thunberg war eigens zur Demonstration nach Madrid gereist. Zuvor hat sie in New York mit einem Appell vor den Vereinten Nationen Aufmerksamkeit erregt. Von dort aus wollte sie ursprünglich in die chilenische Hauptstadt Santiago reisen, wo die Klimakonferenz stattfinden sollte. Als sie aufgrund der sozialen Proteste in Chile nach Madrid verlegt wurde, reiste Thunberg mit einem Katamaran über den Atlantik nach Portugal und von dort mit dem Zug nach Madrid. "Ich glaube nicht, dass mich irgendjemand gesehen hat", schrieb sie auf Twitter angesichts der hohen Pressepräsenz bei ihrer Ankunft.

Die Klimakonferenz ist am Montag eröffnet worden und findet bis Freitag kommender Woche statt. Insgesamt nehmen Vertreter von 200 Staaten am Gipfel teil. Ab nächster Woche wird auf Ministerebene verhandelt. Ein Hauptthema bei der Konferenz ist die konkrete Ausgestaltung des Handels mit CO2-Emissionszertifikaten, die zur Sparsamkeit beim CO2-Verbrauch animieren sollen.