Die Witwe des früheren Bundeskanzlers Helmut Kohl hat im Rechtsstreit gegen dessen Ghostwriter einen neuen Teilerfolg erzielt. Der Autor Heribert Schwan darf zahlreiche weitere Textpassagen aus seinem 2014 erschienenen Buch Vermächtnis. Die Kohl-Protokolle nicht mehr verbreiten. Das entschied das Kölner Landgericht am Mittwoch. 

Zudem muss Schwan Auskunft über seine durch den Bestseller erzielten Einnahmen erteilen. Auf Grundlage dieser Summe könnte Maike Kohl-Richter dann gegebenenfalls auf Schadenersatz klagen. Nach Auffassung des Gerichts ging Helmut Kohl (1930-2017) davon aus, dass Schwan seine Äußerungen vertraulich behandeln würde. Die Zeugenvernehmung in der Verhandlung habe nichts anderes ergeben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Erfolglos blieb Kohl-Richter aber mit ihrer Forderung, auch einen Koautor sowie den Verlag Random House auf Unterlassung und Auskunft über ihre Gewinneinnahmen zu zwingen. Diese hätten keine "vertragliche Verbindung" zu dem Altkanzler. Persönlichkeitsrechte des Verstorbenen hätten sie ebenfalls nicht verletzt, hieß es im Urteil.

Auch Kohl-Richters parallel gegen den Spiegel-Verlag erhobene Klage wegen dessen Begleitberichterstattung zur Veröffentlichung des Buchs wies das Gericht zum allergrößten Teil zurück. Die Witwe hat demnach nur bei vier von 132 beanstandenden Zitaten oder Informationen einen Unterlassungsanspruch, wie das Gericht mitteilte.

Der Streit um die von Schwan verfassten Kohl-Biografie Vermächtnis – Die Kohl-Protokolle beschäftigt die Gerichte seit Jahren. Das Buch basiert auf Gesprächen, die Schwan mit Kohl führte. In einem früheren Urteil hatte das Oberlandesgericht Köln in zweiter Instanz bereits das Verbot von 116 Textstellen aus dem Buch bestätigt und "eine Fülle von Fehlzitaten und Kontextverfälschungen" kritisiert.