Bei Kämpfen in der Provinz Idlib im Nordwesten Syriens sind mindestens 82 Menschen gestorben. Dies teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in einem Bericht mit. Es sei die höchste Opferzahl seit Inkrafttreten einer Waffenruhe Ende August, so die Beobachter. Aktivisten hatten zuvor von 69 getöteten Kämpfern gesprochen. 36 Soldaten syrischer und russischer Regierungstruppen seien auch unter den Opfern gewesen.

Die Gefechte wurden laut der Beobachtungsstelle durch mehrere Angriffe des früheren syrischen Al-Kaida-Ablegers Hajat Tahrir al-Scham auf Positionen der Regierungstruppen ausgelöst. Als Reaktion hätten die Streitkräfte des syrischen Machthabers Baschar al-Assad Luftangriffe gegen die islamistischen Rebellen geflogen – mit Unterstützung russischer Truppen. Zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner der Region flohen wegen der Kämpfe Richtung Norden.

400.000 Vertriebene

Die Provinz Idlib sowie einige Bezirke der Provinzen Hama, Aleppo und Latakia werden größtenteils von der Dschihadistenmiliz Hajat Tahrir al-Scham und anderen islamistischen Milizen kontrolliert. Seit Ende April gehen syrische Regierungstruppen und die russische Luftwaffe wieder verstärkt gegen sie vor. Dabei wurden nach Schätzungen der Beobachtungsstelle allein im Zeitraum von Ende April bis Ende August fast 1.000 Zivilisten getötet. 400.000 Menschen wurden in demselben Zeitraum vertrieben, so UN-Angaben.

Am 31. August hatte die russische Armee eine einseitige Waffenruhe für das seit Monaten umkämpfte Idlib erklärt. Dennoch hat es laut der Beobachtungsstelle seither regelmäßige Angriffe gegeben, bei denen Dutzende Zivilisten ums Leben kamen.

Die den Rebellen nahestehende Beobachtungsstelle mit Sitz in London bezieht ihre Angaben von Aktivisten vor Ort. Von unabhängiger Seite sind die Angaben kaum zu überprüfen.  Ein AFP-Korrespondent berichtete am Sonntag von dunklen Rauchwolken über der Region Maaret al-Numan durch Luftangriffe der Assad-Truppen auf Positionen der Rebellen. Die Kämpfe hielten demnach weiter an.