Papst Franziskus hat in der traditionellen Christmette zu selbstloser Mitmenschlichkeit aufgerufen. Zugleich sprach er am Abend im Petersdom Veränderungen innerhalb der Kirche an. "Warten auch wir nicht darauf, dass der Nächste rechtschaffen wird, um ihm Gutes zu tun, dass die Kirche vollkommen sei, um sie zu lieben, dass die anderen dafür, dass wir ihnen dienen, uns achten. Fangen wir an", sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche in Rom.

Indirekt thematisierte der Papst in seiner Botschaft auch die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. "Was auch immer falsch in unserem Leben läuft, was auch immer in der Kirche nicht gelingt (...) kann nicht länger als Entschuldigung dienen." Die katholische Kirche ringt seit Jahren mit Skandalen sexueller Übergriffe von Priestern auf Minderjährige. In seiner Predigt rief er die 1,3 Milliarden Katholiken dazu auf, sich durch die Verfehlungen der Kirche nicht der Liebe Gottes zu verweigern.

Dessen Liebe zu den Menschen sei nicht an Bedingungen geknüpft. "Wie oft denken wir, dass Gott gut ist, wenn wir gut sind, und dass er uns straft, wenn wir böse sind. So ist es nicht", sagte Franziskus. Weihnachten erinnere daran, dass es Gott eigen ist, "jeden Menschen zu lieben, auch den schlimmsten", sagte er. Christen feiern an Weihnachten die Geburt des Religionsstifters Jesus Christus, in dem nach christlichem Glauben Gott Mensch wurde.

Franziskus betrat die Basilika kurz vor 21.30 Uhr hinter einer Prozession goldgewandeter Kardinäle. Vor Beginn der Messe enthüllte er eine Christkindfigur. Zwölf Kinder aus Italien, Japan, Venezuela, Kenia, Uganda, den Philippinen und dem Irak legten Blumen rundherum. "In Jesus hat sich Gott zum Kind gemacht, um sich von uns umarmen zu lassen", sagte der Papst.

Konvoi fährt zu Krippenplatz in Bethlehem

Franziskus, der vorige Woche 83 Jahre alt wurde, feiert sein siebtes Weihnachtsfest als Oberhaupt der katholischen Kirche. Der frühere Erzbischof von Buenos Aires war im März 2013 als Nachfolger von Benedikt XVI. zum Pontifex gewählt worden. Den traditionellen päpstlichen Segen urbi et orbi spendet er traditionell am ersten Weihnachtsfeiertag.

Nach biblischer Überlieferung wurde Jesus in Bethlehem geboren. Jerusalem ist der Ort von Kreuzigung und Auferstehung. Von Jerusalem fuhr daher am Dienstag ein Konvoi aus etwa 40 Fahrzeugen ins knapp zehn Kilometer entfernte Bethlehem im Westjordanland. Die motorisierte Prozession wurde vom Leiter des katholischen Patriarchats im Heiligen Land, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, angeführt und auf dem Krippenplatz in Bethlehem im Westjordanland feierlich empfangen.

Pizzaballa, ein italienischer Franziskaner, zelebrierte am Abend in Bethlehem auch die Mitternachtsmesse, an der auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas teilnahm.