Das deutsche Rettungsschiff Alan Kurdi darf mit 32 geretteten Flüchtlingen an Bord einen italienischen Hafen anlaufen. Die Behörden hätten dem Schiff die Hafenstadt Pozzallo im Süden Siziliens zugewiesen, sagte Gorden Isler, der Vorsitzende der Organisation Sea-Eye, der das Schiff gehört. Man werde den Hafen bald erreichen und könne die Geretteten am Sonntagvormittag ausschiffen.

Die Alan Kurdi hatte die Menschen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag von einem überfüllten Kunststoffboot gerettet. Alle hatten angegeben, libysche Staatsbürger zu sein. Unter ihnen befinden sich zehn Kinder und Babys, das jüngste drei Monate alt, sowie eine schwangere Frau. Das Schiff rettete die Menschen zwei Stunden, nachdem es einen Notruf empfangen hatte, auf den libysche Behörden nicht reagiert hatten. Nach Sea-Eye-Angaben wären die Menschen spätestens am Morgen danach in einen aufziehenden Sturm geraten. Aufgrund häufig wechselnder Wetterverhältnisse sei die Flucht übers Mittelmeer im Winter besonders gefährlich.

In der Vergangenheit hatten private Rettungsschiffe auf dem Mittelmeer oft lange auf die Zuweisung eines Hafens warten müssen. Aufsehen erregte vor allem die Kapitänin Carola Rackete, die im Juni mit 40 Flüchtlingen an Bord des Schiffes Sea Watch 3 unerlaubt in Lampedusa angelegt hatte. Die italienischen Behörden hatten ihr, einem Aufruf des damaligen rechtspopulistischen Innenministers Matteo Salvini folgend, das Einlaufen in den Hafen untersagt. Rackete wurde daraufhin festgenommen, kam Mitte Juli allerdings ohne Auflagen wieder frei.

"Das freut uns natürlich außerordentlich, dass es dieses Mal etwas schneller gegangen ist", sagte Isler im Hinblick auf die schnelle Einfahrterlaubnis der italienischen Behörden. Es scheine sich nun ein zügigerer Mechanismus einzustellen. "Das deutet darauf hin, dass sich 2020 das Retten von Menschen aus Lebensgefahr und das Verbringen an einen sicheren Ort wieder der Normalität annähern." Die Alan Kurdi soll nun in Palermo eine neue Crew bekommen und Anfang Januar zum nächsten Einsatz aufbrechen. Die sogenannte Weihnachtsmission des Schiffs wurde vom Erzbistum Paderborn finanziert. Zuvor musste Sea-Eye eine Mission wegen ausbleibender Spenden absagen.