Mogadischu - Zahlreiche Tote durch Bombenexplosion in Somalia Durch einen Anschlag in Mogadischu wurden zahlreiche Menschen getötet und verletzt. Eine Autobombe explodierte in einem belebten Teil der somalischen Hauptstadt. © Foto: Reuters/Feisal Omar

Mindestens 73 Menschen sind durch einen Bombenanschlag in der somalischen Hauptstadt Mogadischu getötet worden. Dies sagte der Leiter des Medina-Hospitals, Mohamed Yusuf. Zudem seien mindestens 125 weitere Personen verletzt worden, sagte der Direktor des Ambulanzdienstes Aamin, Abdiqadir Abdulrahman. Der Bürgermeister von Mogadischu, Omar Mohamed, hatte zunächst von mindestens 90 zum Teil schwer verletzten Menschen gesprochen. Der Polizeioffizier Ahmed Bashane und auch ein somalischer Abgeordneter berichteten von mehr als 90 Toten.

Somalias Präsident Mohamed Abdullahi Mohamed gab der Extremistengruppe Al-Shabaab die Schuld an dem Anschlag. Er rief die Bevölkerung zum Zusammenhalt im Kampf gegen "die Feinde der Menschenwürde" auf und sagte: "Das einzige Ziel, das die Terroristen in unserem Land entwickelt haben, ist das wahllose Töten unschuldiger Menschen." Zunächst reklamierte jedoch niemand die Tat für sich.

Es war einer der schwersten Anschläge in Somalia in den vergangenen Jahren. Ein mit Sprengstoff beladener Lastwagen war am frühen Morgen in einem belebten Viertel der Stadt explodiert. "Die Gegend war voller Menschen, die zur Schule oder zum Einkaufen in die Stadt fuhren, als sich der Anschlag ereignete", sagte Regierungssprecher Mukhtar Omar. Getötet worden seien hauptsächlich Studierende und Schüler, die sich auf dem Weg zu ihren Bildungseinrichtungen befunden hätten, sagte Bürgermeister Omar Mohamud Mohamed am Tatort. Ein Sicherheitsbediensteter teilte mit, der Anschlag habe einer Einrichtung gegolten, die Steuern eintreibe.

Unter den Toten seien laut Polizei auch fünf Polizisten und drei türkische Staatsbürger. Diese befanden sich zum Zeitpunkt der Explosion mit ihrem Leibwächter in einem Geländewagen. Nach vorläufigen Angaben handelt es sich bei ihnen um Ingenieure, die an der Renovierung der Straßenverbindung zwischen Mogadischu und dem Ort Afgoye beteiligt waren.

"Ich sah viele Leichen auf dem Boden liegen", sagte der Augenzeuge Mohamed Abdi Hakim. "Manche der Toten waren Polizisten, aber die meisten waren Studenten." Ein weiterer Augenzeuge, Abdurrahman Yusuf, berichtete, die Explosion erinnere ihn an den Anschlag von 2017, bei dem mehr als 500 Menschen starben: "Diese ereignete sich nur wenige Schritte davon entfernt, wo ich bin, und sie schlug mich zu Boden mit ihrer Wucht."

EU, Russland und UN verurteilen Anschlag

Sowohl die EU wie auch Russland verurteilten den "barbarischen Anschlag". Der blutige Angriff von Extremisten habe offenbar darauf abgezielt, die Lage in Somalia zu destabilisieren, teilte das Außenministerium in Moskau mit. Russland werde die Regierung Somalias weiterhin in ihren Bestrebungen um eine Aussöhnung des Landes und bei den Vorbereitungen von Wahlen unterstützten. "Unsere Haltung ist klar", twitterte EU-Ratspräsident Charles Michel. "Europa wird Afrika im Kampf gegen den Terrorismus weiter unterstützen." UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte den Sprengstoffanschlag: Die Verantwortlichen für diese schreckliche Verbrechen müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Zu dem Anschlag hat sich zunächst niemand bekannt. Er passt aber ins Muster der radikal-islamischen Al-Shabaab-Miliz. Diese war im August 2011 von Truppen der Afrikanischen Union aus Mogadischu vertrieben worden. Jedoch kontrolliert die Miliz weiterhin große Gebiete im Süden und Zentrum Somalias und verübt immer wieder Anschläge in der Hauptstadt. Auch für einen Anschlag im Oktober 2017 wird Al-Shabaab die Verantwortung gegeben; die Miliz hatte die Tat aber nie für sich reklamiert.