Im US-Bundesstaat Tennessee ist ein blinder verurteilter Mörder auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet worden. Der 52-Jährige sei am Donnerstag um 19.26 Uhr (Ortszeit) für tot erklärt worden, teilte die Strafverfolgungsbehörde von Tennessee mit. Weil Leroy "Lee" Hall bereits vor dem Jahr 1999 zum Tode verurteilt worden war, durfte er die Hinrichtungsart wählen und entschied sich gegen eine Giftspritze.

Hall war schuldig gesprochen worden, 1991 das Auto seiner Ex-Freundin angezündet zu haben, als diese darin saß. Die Frau hatte ihn kurz zuvor verlassen. Halls Anwälte hatten mit wiederholten Einsprüchen dafür gekämpft, ihren Mandanten vor der Hinrichtung zu bewahren. Sie verwiesen insbesondere darauf, dass Hall wegen eines schlecht behandelten Glaukoms blind sei und seine Hinrichtung ein "Verstoß gegen die Menschlichkeit" wäre. Die Justiz wies aber alle Einwände zurück.

Tennessees Gouverneur Bill Lee verkündete am Mittwoch, dass er Hall nicht begnadigen werde. Sein Fall sei über fast 30 Jahre hinweg genau geprüft worden, daher bleibe das verhängte Todesurteil gültig. Hall war der 21. Verurteilte, der seit Jahresbeginn in den Vereinigten Staaten hingerichtet wurde.

Seit der Wiedereinführung von Hinrichtungen in den USA durch den Obersten Gerichtshof 1976 ist nur eine Vollstreckung der Todesstrafe an einem blinden Häftling dokumentiert: Clarence Ray Allen starb 2006 in Kalifornien durch die Giftspritze.

In den vergangenen Jahren haben mehrere US-Bundesstaaten die Todesstrafe abgeschafft oder deren Vollstreckung ausgesetzt. Dennoch ist sie weiterhin in 29 der 50 Bundesstaaten erlaubt.