Einem Bericht der Vereinten Nationen (UN) zufolge wird die Zahl der hilfsbedürftigen Menschen im kommenden Jahr einen neuen Höchststand erreichen. Rund 168 Millionen Menschen könnten demnach auf humanitäre Hilfe angewiesen sein, schätzen die UN-Expertinnen und -Experten. Das sei etwa jeder 45. Mensch – so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Insbesondere Konflikte und die Folgen des Klimawandels bedrohen das Leben der Menschen weltweit.

"Die Lage wird sich noch verschlimmern, wenn wir uns nicht besser um die Folgen des Klimawandels und die Ursachen von Konflikten kümmern", sagte der UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock in Genf. In diesem Jahr waren nach Angaben des UN-Nothilfebüros (Ocha) rund 146 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe wie etwa Lebensmittel, Unterkünfte, ärztliche Behandlungen oder Notschulen angewiesen.

Bei der Versorgung der Menschen sind neben den Vereinten Nationen auch internationale Hilfsorganisationen im Einsatz. Hinzu kommen bilaterale Hilfsprogramme zwischen den Staaten. Die UN übernimmt dabei allerdings den Großteil: Sie wollen sich auf die Hilfe für 109 Millionen Menschen konzentrieren. Dafür werden rund 29 Milliarden Dollar (gut 26 Milliarden Euro) benötigt. Für das Jahr 2019 war etwa dieselbe Summe veranschlagt, auch wenn weniger Menschen betroffen waren. Das liegt daran, dass die Nothelfenden immer besser vorbereitet sind und Hilfe frühzeitig günstiger organisieren können. Allerdings kamen für dieses Jahr nur etwas mehr als die Hälfte der benötigten Spendengelder zusammen.

Die UN sehen besonderen Hilfsbedarf in 53 Ländern. Der größte Bedarf besteht für die Bürgerkriegsländer Jemen und Syrien sowie für den Kongo, wo seit 2018 mehr als 2.200 Menschen an dem tödlichen Virus Ebola gestorben sind.

Die Analyse umfasst nach groben Schätzungen etwa drei Viertel der erwarteten humanitären Kosten im kommenden Jahr. Berücksichtigt sind alle Krisen, in denen mehrere UN-Organisationen gleichzeitig im Einsatz sind. Wenn etwa die Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder das UN-Kinderhilfswerk Unicef in einem Land allein ein Hilfsprogramm auflegen, sind dies zusätzliche Kosten.