Die Abholzung im brasilianischen Amazonaswald hat sich im vergangenen Jahr fast verdoppelt. Wie das staatliche Klimainstitut Inpe mitteilte, wurden 2019 knapp 9.166 Quadratkilometer Wald abgeholzt. Im Jahr 2018 waren es noch etwa 4.946 Quadratkilometer. Das entspricht einem Anstieg von 85 Prozent. Zuletzt wurden demnach noch im Dezember 183 Prozent mehr Wald gefällt als im Vorjahresmonat.

Dabei handelt es sich um vorläufige Daten der Satellitenüberwachung von Inpe. Die später anzufertigende tiefere Analyse der Daten dürfte nach Ansicht der Experten einen noch höheren Wert liefern. Denn während bei der sogenannten Real-Time-Überwachung nur größere Rodungen registriert werden, entdeckt die gründlichere Analyse auch kleinere.

In den vergangenen Monaten hatte die Regierung von Präsident Jair Messias Bolsonaro Inpe mehrfach wegen der hohen Zahlen kritisiert. Nachdem im Juli ein Zuwachs um 278 Prozent und im August von 222 Prozent zum Vorjahr gemessen wurde, entließ Bolsonaro den Leiter des Instituts, Ricardo Galvão. Er habe überhöhte Zahlen publiziert, um Bolsonaro zu schaden, hieß es. Später erwiesen sich die Zahlen jedoch als korrekt.

Bolsonaro hatte auf die steigende Abholzung sowie die verheerenden Waldbrände am Amazonas im August mit der Entsendung Tausender Soldaten in die Region reagiert. Daraufhin nahmen die Brände und die Abholzungen wieder ab. Nachdem die Soldaten Ende Oktober wieder abgezogen worden waren, stieg die Abholzung jedoch wieder an.

Jair Bolsonaro hat sein Amt am 1. Januar 2019 angetreten. Das Staatsoberhaupt zweifelt den menschengemachten Klimawandel an. Bolsonaro hat eine Reihe von Schritten veranlasst, die das Vordringen der in Brasilien sehr mächtigen Agrarwirtschaft in das wald- und artenreiche Amazonasgebiet erlaubt. Angesichts der verheerenden Brände im brasilianischen Regenwald hatten Umweltschützer ihm vorgeworfen, ein politisches Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sehen. Der Staatschef hatte immer wieder klargemacht, dass er die Amazonasregion vor allem mit ungenutztem wirtschaftlichen Potenzial verbindet.

Brasilien - Jaír Bolsonaro bringt das Klima in Gefahr Der brasilianische Präsident Jaír Bolsonaro geht radikal gegen den Regenwald und seine indigene Bevölkerung vor. Das hat Auswirkungen auf den Klimawandel, erklärt Dagny Lüdemann.